Der Geschäftsführer der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung, Roland Klein, sagte gestern in Köln: "Das kann man nicht über einen Kamm scheren." Wenn Angestellte nach Deutschland zurückgeholt würden, dann vor allem, weil derzeit in China kaum Geschäftspartner erreichbar seien. "Die chinesischen Behörden haben dazu aufgerufen, von zu Hause aus zu arbeiten." Unternehmen, die ihre Mitarbeiter aus China zurückriefen, handelten folglich in der Regel nicht aus Angst vor SARS, sondern weil die Arbeitszeit derzeit in Deutschland besser genutzt werden kann, schätzte Klein die Lage ein. Bereits mehrere der gut 1500 deutschen Unternehmen mit Niederlassungen in China hätten ihre Mitarbeiter zurückgerufen. Genaue Zahlen seien nicht bekannt.

Erlöseinbruch erwartet
Bei der Deutschen Lufthansa haben die anhaltende Konjunkturflaute, der Irak-Krieg und die Lungenseuche SARS tiefe Spuren hinterlassen: Für April rechnet der Konzern im Passagiergeschäft mit einem Erlöseinbruch von 20 Prozent im Vergleich zum März. Die angekündigten drastischen Kürzungen bei Mitarbeitern und die vorübergehende Stilllegung von 70 Flugzeugen reichen nach Angaben der Lufthansa nicht, um das Unternehmen aus der Krise zu steuern.
Tief greifende Änderungen stünden der Kranich-Airline bevor, sagte eine Sprecherin gestern in Frankfurt/Main. "Es steht alles auf dem Prüfstand - von Gebühren bis Zulieferer." Ziel sei es, die Kosten um rund ein Fünftel zu senken und zeitgleich die Erlöse zu steigern, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwei Wochen vor Bekanntgabe der Quartalszahlen erwarten Lufthansa-Analysten einen operativen Verlust von 300 Millionen Euro. "Wir sehen ein strukturelles Problem", sagte die Sprecherin.
Die Airline müsse dringend ihre Profitabilität erhöhen, ohne zugleich gravierende Abstriche bei Qualität und Service zu machen. Die Stilllegung von Maschinen und die Arbeitszeitverkürzungen der Boden- und Verwaltungsmitarbeiter ohne Lohnausgleich seien daher "nicht das Ende der Fahnenstange". Die Lungenkrankheit SARS trifft den deutschen Branchenprimus in seinem Wachstumsgeschäft: Die Nachfrage auf einigen Asien-Strecken ist nach Lufthansa-Angaben um bis zu 85 Prozent eingebrochen. Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit SARS sind die Maschinen nach Fernost an manchen Tagen nur noch zu einem Viertel ausgelastet.

SARS für Post nur „Fußnote“
Die Deutsche Post sieht sich dagegen durch SARS bisher nicht beeinträchtigt. "Auf uns hat das derzeit keine Auswirkungen", sagte Vorstandschef Klaus Zumwinkel gestern in Berlin. Der internationale Frachtverkehr insgesamt sei in "ganz geringem" Ausmaß berührt. Es sei davon auszugehen, dass SARS wie der Irak-Krieg "eine Fußnote in den Wirtschaftsgeschichtsbüchern" sein werde, sagte Zumwinkel beim Start der weltweiten Werbekampagne zur neuen Konzern-Express- und Logistikmarke DHL.
Der Kölner Motorenhersteller Deutz hat wegen der Lungenkrankheit seine in Peking eingesetzten drei deutschen Angestellten abgezogen. Dies berichtete das Unternehmen gestern. Das Büro in Peking arbeite jedoch mit chinesischen Mitarbeitern weiter. Bei Deutz hieß es, man sei um die Gesundheit der Mitarbeiter besorgt. Zudem sei das öffentliche Leben in China wegen SARS praktisch zum Erliegen gekommen und ein regulärer Geschäftsbetrieb nicht möglich. (dpa/afp/rb)