Aromatisch und süß – manch ein Winzer in Sachsen träumt nach sonnigen Novembertagen von einer Eisweinernte. Es wäre das I-Tüpfelchen auf ein gutes Weinjahr im Freistaat. „Die Qualität der Beeren ist gut, die Menge ist deutlich höher als in den beiden Vorjahren“, sagt der Vorsitzende des Sächsischen Weinbauverbandes, Bernd Kastler.

Winzerkeller gut gefüllt

Für die Gesamternte dieses Jahres schätzt er, dass etwa 25 000 Hektoliter die leeren Winzerkeller in Sachsen wieder gefüllt haben. Laut Kastler ist das „eine auskömmliche Menge“. Im Jahr 2010 waren nur etwa 12 500 Hektoliter und ein Jahr zuvor sogar lediglich 9900 Hektoliter zusammengekommen. Das Rekordjahr war 2008 mit einem Ernteertrag von mehr als 27 000 Hektolitern, weiß Kastler.

Es könne sogar sein, dass früh reifende Sorten wie Goldriesling oder Müller-Thurgau noch vor Weihnachten im Handel zu haben sind, sagt Kastler. „Das ist in diesen nördlichen Breiten ganz selten.“ Aber in diesem Jahr habe die Lese wegen des schönen Wetters eher begonnen. Und deshalb könne der erste Wein des Jahres jetzt schon verkostet werden.

Dennoch blicken einige der Winzer vor allem größerer Weingüter wieder sorgenvoll gen Himmel. Sie wollen noch Eiswein keltern – eine absolute Spezialität. Die Sache ist wegen der ungewissen Witterung zu Winterbeginn immer ein Vabanquespiel. „Bis jetzt war alles gut. Aber nun brauchen wir strengen Frost – möglichst schnell“, sagt der Marketingchef von Schloss Proschwitz in Meißen, Philipp Kunstmann. „Kälter als zehn Grad unter Null wären schön.“ Laut Vorschrift müssen es mindestens sieben Grad minus sein, damit sich der Wein auch Eiswein nennen darf. Der süße Saft wird mit hohem Druck aus den hartgefrorenen Beeren gepresst. Die Menge ist gering, Eiswein ist rar.

Ein paar Resttrauben

Im Weingut Schloss Proschwitz hängen noch auf fast einem halben Hektar Traminertrauben. Rund 1000 Flaschen Eiswein könnten die Trauben ergeben – wenn das Wetter denn mitspielt. Aber die Chancen stehen derzeit nicht gut. Väterchen Frost lässt auf sich warten. „In den kommenden 16 Tagen ist da nichts in Sicht“, sagt Kunstmann. Sollte der Frost ausbleiben und es gar regnen, müssten die Beeren vom Rebstock. „Dann machen wir daraus eine schöne Spätlese.“

Im Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth gab es im Jahr 2003 das letzte Mal Eiswein. „Damals wurden die Beeren morgens um vier gelesen. Da war der kälteste Zeitpunkt des Tages“, erinnert sich Pressesprecherin Ulrike Schröter. Die gefrorenen Trauben seien „wie kleine Bonbons“ gewesen.

Auch jetzt warten auf einer kleinen Fläche einige Stöcke nicht geernteter Traminer auf den Frost, zum Schutz gegen hungrige Vögel sind sie mit Netzen überspannt. Doch Schröter hat die Hoffnung schon fast aufgegeben. „In den nächsten Tagen entscheiden wir, wie es weitergeht.“