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Sachsens Winzer in Feierlaune

Mithilfe eines Refraktometers messen Winzer den Zuckergehalt der Trauben.
Mithilfe eines Refraktometers messen Winzer den Zuckergehalt der Trauben. FOTO: dpa
Meißen. (dpa/sm) Sachsens Winzer haben 2016 so viel Wein geerntet wie seit Jahren nicht. Der Ertrag lag insgesamt bei 28 845 Hektolitern Weinmost und damit noch einmal gut 4000 Hektoliter über dem Vorjahr, wie der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner, in Meißen erklärt.

Die Erntemenge ist laut Statistik sogar die höchste seit der Wende. Allerdings seien in den vergangenen Jahren auch deutlich mehr Rebflächen im Weinbaugebiet Sachsen hinzugekommen - und entsprechend mehr Wein konnte gelesen werden, sagt Reiner. Wuchsen Goldriesling, Müller-Thurgau und Co. im Jahr 2010 noch auf einer Fläche von rund 433 Hektar, waren es 2016 bereits 493 Hektar.

Durchschnittlich fuhren die Winzer im vergangenen Jahr einen Ertrag von 59 Hektolitern pro Hektar ein. Im Rekordjahr 2008 lag die Ausbeute mit 60 Hektolitern darüber. Zum Vergleich: In den Jahren 2009/2010, als Sachsens Weinbauern mit heftigem Frost und Fäulnis zu kämpfen hatten, fuhren sie gerade einmal Erträge von 25 Hektolitern pro Hektar ein.

Auch die Qualität des sächsischen Rebsaftes könne sich im neuen Jahrgang sehen lassen, sagt Reiner. Gut die Hälfte der Trauben konnte wegen ihres hohen Mostgewichtes zu qualitativ hochwertigen Prädikatsweinen ausgebaut werden. Das Mostgewicht gibt Auskunft über die Dichte des Mostes und damit über dessen Qualität. Es wird wesentlich durch den Zuckergehalt der Weintrauben bestimmt und in Grad Oechsle gemessen.

Bei der Rebsorte Traminer lag das Mostgewicht im vergangenen Jahr im Schnitt bei 95 Grad Oechsle und damit über dem Niveau für Spätlesen. Der Blaue Spätburgunder wurde den Angaben zufolge mit durchschnittlich 93 Grad Oechsle gelesen - ein Plus von rund fünf Grad im Vergleich zum Vorjahr.

Das Wetter im vergangenen Weinjahr war turbulent - von Stark regen bis hin zu jeder Menge Sonnenschein war fast alles zu erleben. Letztlich sei das lange "goldene Intermezzo" zur besten Lesezeit im Herbst ein Segen für Wein und Winzer gewesen.

Zum Thema:
Mehr als 2300 Winzer bewirtschaften eine Fläche von insgesamt 493 Hektar. Mitgezählt sind einige Rebäcker von insgesamt knapp 30 Hektar in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Nach wie vor dominieren mit 82 Prozent die weißen Rebsorten. Verbreitet sind vor allem Müller-Thurgau, Riesling sowie Weißburgunder. Als Rarität gilt der Goldriesling, der in Sachsen auf einer Fläche von 27,7 Hektar wächst. Die roten Rebsorten machen 18 Prozent der Anbaufläche aus - dazu zählen Blauer Spätburgunder, Dornfelder und Regent.