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| 13:22 Uhr

Hauptversammlung in Essen
RWE-Aktionäre fühlen sich von Eon übervorteilt

Essen. Eon zahle zu wenig für Innogy, kritisieren Aktionäre bei der RWE-Hauptversammlung in Essen. Städte sollten nicht auf Berater hereinfallen, die nun ihre Geschäfte mit dem Übernahme-Deal machen wollen, warnen andere. Antje Höning

Eon zahle zu wenig für Innogy, kritisieren Aktionäre bei der RWE-Hauptversammlung in Essen. Städte sollten nicht auf Berater hereinfallen, die nun ihre Geschäfte mit dem Übernahme-Deal machen wollen, warnen andere.

Es war ein historischer Tag: Am 32. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe kamen am Donnerstag die RWE-Aktionäre zusammen. Doch Atomkraft ist für RWE Geschichte. 2022 wird der letzte Meiler abgeschaltet, 2017 hat RWE sich gegen Zahlung von 6,8 Milliarden Euro an den Staat von Lasten der Endlagerung freigekauft. Nicht mal die Braunkohle sorgte für Aufregung: Stürmten bei Hauptversammlungen früher Klimaaktivisten die Grugahalle in Essen, blieb es diesmal ruhig. Vor der Halle klampfte ein einsamer Demonstrant gegen die Kohle, ein Drache aus Pappmaché, eine Fahne aus dem Hambacher Forst – das war es.

Dagegen sorgte der geplante Verkauf der RWE-Tochter Innogy an den Erzrivalen Eon weiter für Aufregung. RWE habe Innogy unter Wert verkauft, kritisierte Joachim Kregel, Aktionärsschützer der SdK. "Eon hat offenbar den besseren Deal gemacht. 40 Euro pro Innogy-Aktie, das hört sich nicht fair an", so Kregel. Schließlich sei Innogy vor kurzer Zeit an der Börse noch wertvoller als Eon gewesen. "Wieso hat RWE eigentlich nicht Eon gekauft?"

"RWE geht großes Risiko ein"

Thomas Hechtfischer, Aktionärsschützer von der DSW, kritisierte die Risiken, die sich RWE auflade. "RWE gibt das risikoarme Netzgeschäft ab und holt sich das riskante Ökostromgeschäft zurück ins Haus. Kein Wunder, dass Ratingagenturen bereits mit Abwertung drohen." Das Netzgeschäft liefert aktuell 80 Prozent des Innogy-Gewinns.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz warb dennoch für den Deal. "Es ist die beste Option für RWE. Es ging uns nicht allein um einen möglichst hohen Kaufpreis. Uns ging es vor allem um die beste Perspektive für RWE insgesamt." So werde RWE dauerhaft zu einem der führenden Stromerzeuger und der drittgrößte Ökostrombetreiber in Europa. Zugleich sichere die Beteiligung an Eon (RWE bekommt 16,7 Prozent der Anteile) eine neue Finanzierungsquelle.

Kommunale Aktionäre freuen sich über Dividende

Die kommunalen RWE-Aktionäre, die knapp ein Viertel an RWE halten, begrüßten dagegen den Deal und die Rückkehr der Dividende. Nach zwei Jahren ohne Dividende zahlt RWE für 2017 wieder 1,50 Euro je Aktie. Wolfgang Kirsch, Chef des Verbands kommunaler Aktionäre in Westfalen, warnte jedoch vor externen Beratern, die nun die Städte über den Tisch ziehen wollen. Denn mit Innogy übernimmt Eon auch 3800 Konzessionsverträge, über die Kommunen ihre Strom- und Gasnetze der RWE überlassen haben.

Zudem übernimmt Eon die RWE-Beteiligungen an rund 100 Stadtwerken. Zwar hätten viele Verträge so genannte "Change-of-Control-Klauseln", wonach die Städte bei einem Eigentümerwechsel aus den Verträgen aussteigen können, aber nur wenige wären auch einschlägig, sagt Kirsch. "Zudem sollten erstmal abwarten, welche Zusagen Eon für Standorte und Stellen macht. Die Städte sollten das Geld nicht für Berater ausgeben, die ihnen jetzt die Türen einrennen."