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| 09:02 Uhr

Essen
RWE-Aktionäre fühlen sich von Eon übervorteilt

Essen. RWE-Chef Schmitz wirbt für den Innogy-Verkauf. Weder neue Bieter noch Konzessionsverträge mit Städten seien ein Hindernis. Antje Höning

Konzernchef Schmitz wirbt für den Innogy-Verkauf: Weder neue Bieter noch Konzessionsverträge mit den Städten seien Hindernisse.

Es war ein historischer Tag: Am 32. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe kamen gestern die RWE-Aktionäre zusammen. Doch Atomkraft ist für RWE Geschichte. 2022 wird der letzte Meiler abgeschaltet. Für Aufregung sorgte dagegen der geplante Verkauf des Netzkonzerns Innogy an Eon. RWE habe Innogy unter Wert verkauft, kritisierte Joachim Kregel, Aktionärsschützer der SdK. "Eon hat offenbar den besseren Deal gemacht. 40 Euro pro Innogy-Aktie, das hört sich nicht fair an", so Kregel. Schließlich sei Innogy vor kurzer Zeit an der Börse noch wertvoller als Eon gewesen. "Wieso hat RWE eigentlich nicht Eon gekauft?"

Thomas Hechtfischer, Aktionärsschützer von der DSW, kritisierte die Risiken, die sich RWE auflade. "RWE gibt das risikoarme Netzgeschäft ab und holt sich das riskante Ökostromgeschäft zurück ins Haus. Kein Wunder, dass Ratingagenturen bereits mit Abwertung drohen." Das Netzgeschäft liefert aktuell 80 Prozent des Innogy-Gewinns.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz warb dennoch für den Deal: "Es ist die beste Option für RWE. Es ging uns nicht allein um einen möglichst hohen Kaufpreis. Uns ging es vor allem um die beste Perspektive für RWE insgesamt." So werde RWE dauerhaft zu einem der führenden Stromerzeuger und drittgrößter Ökostrombetreiber in Europa. Schmitz ist zuversichtlich, dass die Übernahme gelingt, auch wenn Innogy nun die Bücher für die aus-tralische Bank Macquarie öffnet, die Interesse am milliardenschweren Tschechien-Geschäft hat. "Die Prüfung von Angeboten für das Tschechien-Geschäft ist ein normaler Vorgang", meint Schmitz. Nicht einmal der Verkauf wäre ein "Dealbreaker". Soll heißen: Ein Verkauf würde den Deal mit Eon nicht gefährden, weil man vorab entsprechende Vertragsklauseln vereinbart hat. Auch die Konzessionsverträge mit den Kommunen können das Ganze nicht stoppen, ist RWE überzeugt. "Wir haben angemessene vertragliche Reglungen gefunden, so dass mögliche Change-of-Control-Klauseln keine Folgen für den Deal mit Eon haben", sagte Schmitz. Der Hintergrund: Eon übernimmt mit Innogy auch 3800 Konzessionsverträge, über die Städte und Gemeinden ihre Strom- und Gasnetze der RWE überlassen. Zwar hätten viele Verträge "Change-of-Control-Klauseln", wonach die Städte bei einem Eigentümerwechsel aus den Verträgen aussteigen können, aber nur wenige wären auch einschlägig, sagt auch Wolfgang Kirsch, Chef des Verbands kommunaler Aktionäre in Westfalen. Im Gegenteil: Kirsch warnte die Städte, sich nun von externen Beratern über den Tisch ziehen zu lassen. "Die Städte sollten erstmal abwarten, welche Zusagen Eon für Standorte und Stellen macht. Sie sollten das Geld nicht für Berater ausgeben, die ihnen jetzt die Türen einrennen."