Nach einer mehrstündigen Abstimmung, die nicht nur Ausschuss-Bericht-erstatter Sacconi als "chaotisch" beschreibt, war der mühsam ausgehandelte Kompromiss am Mittag gekippt. Was der Ausschuss schließlich zur allgemeinen Überraschung mit 49 gegen 19 Stimmen fordert, deckt sich im Wesentlichen mit der harten Linie des EU-Umweltkommissars Stavros Dimas. Demnach soll bereits 2012 der durchschnittliche CO2-Ausstoß für Pkw grundsätzlich auf 120 Gramm pro Kilometer gedeckelt werden. Unter Einberechnung von "Ökoinvestitionen" wie spritsparende Reifen oder energiesparende Scheinwerfer dürfen es maximal 130 Gramm sein.

Vor allem für Hersteller großer Limousinen wie Mercedes und BMW wäre das ein harter Brocken. Schließlich liegt ihr CO2-Ausstoß noch deutlich über dem EU-weiten Schnitt von derzeit 160 Gramm pro Kilometer. Dass es bei EU-Staaten mit einer starken Autoindustrie - allen voran Deutschland - heftige Widerstände gegen die rigorosen CO2-Senkungspläne gibt, liegt auf der Hand.

Vor allem deshalb habe er "in langen Diskussionen" nach Kompromissen und "Feinabstimmungen" gesucht, betont Sacconi nach dem Votum. Er habe ein "ausgewogenes Paket" geschnürt, das Chancen auf Zustimmung im Rat gehabt hätte. Nach dem Scheitern dieses Pakets im Umweltausschuss, wo sich auch Sacconis Fraktionskollegen gegen ihn stellten, werde dies nun "sehr, sehr schwer" werden.

Kaum Chancen auf Umsetzung Das Gefeilsche um Höchstwerte, Stichtage und Strafen für zu viel ausgestoßenes Kohlendioxid (CO2) geht also weiter - und zwar nicht nur im Ministerrat, sondern auch im Europaparlament. Zwar ist der Umweltausschuss federführend bei den Beratungen. Doch dass das Plenum dessen harter Linie folgt, ist angesichts der konservativen Mehrheit im Parlament unwahrscheinlich.

Zumal der ebenfalls einflussreiche Industrieausschuss weitreichende Zugeständnisse an die Autobauer fordert - etwa Übergangsfristen für die Einführung der neuen CO2-Höchstwerte, Sonderregelungen für besondere Spritfresser wie Porsche, Rolls Royce oder Jaguar und nur sehr milde Strafen für zu hohe Emissionen.

Der Vorsitzende der sozialistischen Fraktion, Martin Schulz (SPD), der bei seinen Genossen bis zuletzt vergeblich für Sacconis Kompromisslinie geworben hatte, sieht sich veranlasst, an eine Grundregel der EU-Gesetzgebung zu erinnern. "Wir brauchen breite Mehrheiten, das heißt Kompromisse", doziert er nach der Abstimmungsschlacht im Pressesaal des Brüsseler Parlamentsgebäudes. Nach solchen will Sacconi nun im Auftrag des Umweltausschusses gemeinsam mit den EU-Regierungen suchen.

Der mit diesen ausgehandelte Vorschlag wird dann dem Plenum des Europaparlaments zur Abstimmung vorgelegt. Und eines sei heute schon klar, warnt Sacconi: "Extreme Forderungen von Lobbyisten aller Art haben keine Chance". Notwendig seien vielmehr "fraktionsübergreifende, ideologieübergreifende und länderübergreifende" Zugeständnisse, mahnt auch Schulz. Im Klartext: Die freudigen Reaktionen von Umweltschutzorganisationen auf das Votum von gestern sind vermutlich verfrüht.