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| 12:01 Uhr

Alle Verträge gekündigt
Kofferhersteller Rimowa setzt Händler unter Druck

Koffer von Rimowa.
Koffer von Rimowa. FOTO: dpa, fru htf tmk
Düsseldorf. Das Unternehmen will nur noch mit wenigen Geschäften zusammenarbeiten. Viele müssen sich neu bewerben.

Das Kölner Koffer-Unternehmen Rimowa will nur noch mit wenigen Geschäften zusammenarbeiten. Die bisherigen Verträge wurden alle gekündigt. Neue bekommen nur noch Händler, die einen hohen Mindestumsatz mit den Koffern machen.

Koffer des Luxuslabels Rimowa wird es künftig wohl nur noch an wenigen Verkaufsstellen geben. Der Kölner Hersteller hatte vor wenigen Wochen allen Handelspartnern in Europa gekündigt und hat nun den Händlern die neuen Kriterien für Vertriebspartner eröffnet.

Wie der Handelsverband Lederwaren bestätigt, müssen Händler, die die Luxuskoffer künftig verkaufen wollen, mit den Rimowa-Produkten einen Netto-Umsatz von mindestens 200.000 Euro vorweisen. Dafür müssten die Händler laut "Handelsblatt" pro Jahr rund 550 Koffer verkaufen.

"Die allermeisten Lederwarenhändler fallen da raus", sagt Axel Augustin, Geschäftsführer des Handelsverbands Lederwaren. Vor allem kleinere Einzelhändler könnten die vorgegebene Umsatzmenge nicht erreichen. "Wir müssen nun dringend versuchen, Alternativen aufzubauen, aber das ist nicht leicht. Rimowa hat eine starke Position am Markt", sagt Augustin.

Händler müssen ein "angemessenes Markenumfeld" schaffen

Der Hersteller will das "bisherige selektive Vertriebssystem in Europa erneuern und aufwerten", wie es in einer Pressemitteilung heißt. "Wir müssen schauen, wie viele Händler den Anforderungen noch entsprechen, eine Zahl haben wir nicht festgesetzt", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Darüber hinaus wollte sich Rimowa nicht äußern. Seit 2016 gehört der Kofferhersteller zu 80 Prozent zum Luxusgüterkonzern LVMH (unter anderem Moët, Louis Vuitton).

Knifflig könnte für manche Händler ein weiteres Kriterium werden, dass Rimowa anwenden will. Demnach müssen Händler in ihren Geschäften ein "angemessenes Markenumfeld" schaffen. Konkret bedeutet das, dass im Laden mindestens zwei teure Referenzmarken wie etwa Boss, Gucci oder Longchamp stehen müssen. Auch ein Shop-in-Shop-System fordert Rimowa künftig, dafür müssen Händler rund 20 Quadratmeter Ladenfläche bereithalten.

Auch Kaufhäuser oder sogenannte Department Stores wie Galeria Kaufhof oder Breuninger sind von den neuen Vertriebskriterien betroffen. Die Warenhäuser müssen sich nun mit jeder Filiale einzeln bei Rimowa bewerben.

Kaufhof zum Beispiel vertreibt die Koffer in 20 von 96 Filialen und bewertet nun intern die Bewerbungskriterien, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt. Bis zum 15. Mai hat der Handel Zeit für die Bewerbung, am 30. September laufen die aktuellen Verträge aus.

(mre)