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| 17:33 Uhr

Studie
Rentnern droht Versorgungslücke

Rentnern drohen oft drastische finanzielle Einschränkungen.
Rentnern drohen oft drastische finanzielle Einschränkungen. FOTO: dpa / Boris Roessler
Berlin. Laut einer DIW-Studie fehlen vielen Senioren beim Konsum jeden Monat Hunderte Euro. Dieter Keller

Bei jedem zweiten 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen reichen voraussichtlich die Rente oder die Pension nicht aus, um im Alter ohne Abstriche beim Konsum leben zu können. Die Versorgungslücken können erheblich sein, zeigt eine Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt hat. Im Schnitt fehlen nach seiner Rechnung etwa 700 Euro im Monat.

Das DIW hat auf der Basis von Zahlen aus dem Jahr 2012 gerechnet. Zudem hat es angenommen, dass die Männer und Frauen mit 64 Jahren in Rente gehen. Das ist das aktuelle Durchschnittsalter. Die Regelaltersgrenze wird derzeit stufenweise auf 67 Jahre erhöht. Der Jahrgang 1953 bekommt erst mit 65 Jahren und sieben Monaten die volle Rente. Wer erst dann ausscheidet, hat deutlich höhere Altersbezüge.

Wer nur Anspruch auf die gesetzliche Rente hat und nicht zusätzlich privat vorgesorgt hat, muss sich besonders häufig bescheiden: 63 Prozent von ihnen können voraussichtlich den alten Lebensstandard nicht halten. Deutlich besser steht da, wer Aussicht auf eine Betriebsrente hat: Dann drohen jedem Dritten Einschränkungen. „Dies verdeutlicht die große Bedeutung einer betrieblichen Altersvorsorge“, kommentiert das DIW. Am besten dran sind die Beamten im Ruhestand: Nur bei 13 Prozent reicht die Pension nicht aus, um die früheren Ausgaben zu decken.

Noch besser sieht es aus, wenn privates Vermögen vorhanden ist und im Alter aufgebraucht wird, etwa Sparguthaben und Immobilien: Dann droht nur 44 Prozent derjenigen, die nur die gesetzliche Rente haben, eine Versorgungslücke. Kommt noch eine Betriebsrente dazu, sind es 22 Prozent, unter den Beamten nur sieben Prozent.

Deutlich schlechter sehen die Zahlen aus, wenn nur die Anwartschaften auf Renten und andere Formen der Altersversorgung berücksichtigt werden, die die 55- bis 64-Jährigen bereits erworben haben. Dabei wird allerdings nicht berücksichtigt, dass sie bis zum Ausscheiden aus dem Berufsleben noch bis zu zwölf Jahre lang arbeiten, Beiträge zahlen und daher erheblich mehr erwarten können. Im Durchschnitt haben sie monatliche Konsumausgaben von 1370 Euro. Ihre Ansprüche aus allen Zweigen der Altersvorsorge addieren sich auf 1230 Euro. Es klafft also eine Lücke von 140 Euro. Bei 58 Prozent der rentennahen Jahrgänge ist der aktuelle Konsum größer als die Rentenanwartschaften aus gesetzlicher und betrieblicher Rente. Besonders groß sind die Probleme bei Alleinlebenden, Frauen, Un- und Angelernten sowie Selbstständigen. Private Versicherungen reichen kaum, um die Lücke zu schließen, sehr wohl dagegen Vermögen, so das DIW.

Anders sieht die Rechnung aus, wenn angenommen wird, dass im Alter 70 Prozent des früheren Konsums ausreichen, wie dies in der Rentenpolitik häufig vorausgesetzt wird. Denn es fallen Kosten weg, etwa für den Weg zur Arbeit. Dann droht nur 28 Prozent der älteren Arbeitnehmer eine Versorgungslücke.

Die vollständige Sicherung des Lebensstandards sei nie die alleinige Aufgabe der gesetzlichen Rente gewesen, betonte der rentenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU). Das sei nur zu erreichen im Zusammenspiel mit einer Zusatzversorgung, einer Betriebsrente oder Privatvorsorge.