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| 12:58 Uhr

Projekte mit Crowdfindig verwirklichen
Ein Zimmer – gespendet aus dem Internet

 03.05.2019, Brandenburg, Rehagen: Das Restaurant im Bahnhof Rehagen an der stillgelegten Strecke der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn betreibt Christophe Boyer. Neben einer Event-Location betreibt er auch ein winterfest ausgebautes Schlafwagenhotel. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++
03.05.2019, Brandenburg, Rehagen: Das Restaurant im Bahnhof Rehagen an der stillgelegten Strecke der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn betreibt Christophe Boyer. Neben einer Event-Location betreibt er auch ein winterfest ausgebautes Schlafwagenhotel. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ FOTO: ZB / Bernd Settnik
Berlin. Crowdfunding als Alternative zur Finanzierung von Projekten – einige Beispiele aus Brandenburg. Von Benjamin Lassiwe

Eigentlich suchte Volker Link nur eine Location für ein Familienfest. Doch das alte Hotel in Dahnsdorf hatte es dem Berliner Architekten angetan: „Die Bausubstanz war gut“, erinnert sich Link. Er erwarb das Gebäude bei einer Zwangsversteigerung. Seit einigen Jahren betreibt er es als Seminar- und Gruppenhaus. Und um sich von anderen Anbietern abzuheben, hat der Berliner Architekt begonnen, einzelne Zimmer nach einem ganz besonderen Prinzip einzurichten: Dem „Upcycling“. Möbel aus Antiquitätengeschäften oder vom Flohmarkt, sogar alte Paletten sind in den Zimmern verarbeitet. Nach und nach arbeitet Link sein „Haus Fläming“ um. Die alten Hotelmöbel aus den 1990er-Jahren verschwinden, neue, kreative Wohnideen entstehen.

Finanziert hat Link die neuesten Zimmer über „Crowdfunding“: Ein typisches Werkzeug des Internetzeitalters. Zusammen mit dem Tourismusverband Fläming und dessen Projekt „Fläming Schmiede“ bewarb er sein Projekt auf der Internetplattform „Startnext“. Dort können Kreative ihre Projekte vorstellen und die Internetgemeinde um Spenden dafür bitten. „Gerade wenn Finanzierungen von weniger als 20 000 Euro benötigt werden, kann das Crowdfunding eine Alternative sein“, berichtet Daniel Sebastian Menzel vom örtlichen Tourismusverband. „Denn für Banken sind Kredite in dieser Höhe oft unattraktiv.“ Um Unterstützer für ihre Projekte zu finden, bieten die Inserenten auf „Startnext“ den Internetnutzern oft ein kleines Dankeschön an. Was bei Volker Link eine Übernachtung oder ein Frühstück im „Haus Fläming“ war, war bei Gabriele Hiller eine Kunstpostkarte. Die Künstlerin hat im Schuppen ihres Hofs in Wildenbruch ein Atelier eingerichtet. Dort können etwa Rechtsanwaltskanzleien oder Steuerberater ein Teammeating abhalten und anschließend gemeinsam ein Kunstwerk gestalten.

Finanziert hat Hiller das über Startnext. Denn schon um das Haus zu kaufen, musste Hiller einen Kredit aufnehmen. Um das Atelier einzurichten, wären weitere Schulden nötig gewesen – oder eben eine Crowdfinanzierung.

So ist es auch in Rehhagen, wo vor einem alten Bahnhof einige ausrangierte Waggons der Transsibirischen Eisenbahn stehen. Eigentümer Christophe Boyer hat darin ein kleines Hotel eingerichtet. Vor allem Eisenbahnfans, aber auch Hochzeitsgesellschaften und Fahrradurlauber nutzen heute die ungewöhnliche Form der Unterbringung: In der alten Schalterhalle des Bahnhofs gibt es Frühstück, und in den Schlafwagen ist die WC-Beschilderung noch auf kyrillisch. 15 000 Euro hat Boyer mit Crowdfunding erlöst – damit hat er seine Waggons winterfest gemacht. Eine Gastherme, Wasserboiler und ein Gasanschluss wurden von dem Geld beschafft, berichtet der Unternehmer, als er Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Freitag stolz seinen Betrieb zeigt. Seine Unterstützer teilt Boyer in zwei Gruppen auf: Menschen, die ohnehin schon Kontakt zu ihm und seinem Betrieb hatten. Und Fremde, die über „Startnext“ zu neuen Kunden wurden.

„Beim Crowdfunding zählt ohnehin weniger der absolute Betrag“, sagt Steinbach. „Wer Crowdfunding macht, ist gezwungen, über seine Projektidee gründlich nachzudenken, sie zu präsentieren und eine Imagekampagne dafür zu machen.“ Dazu käme die meiste Unterstützung aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Betreiber: „Das ist eine moderne Form der Solidarität“, sagt Steinbach. „Und ich würde mir wünschen, dass die mit dem Crowdfunding verbundene Eigeninitiative nicht nur in Teltow-Fläming, sondern auch in manchem anderen Landesteil von Brandenburg zu sehen wäre.“

 Das Restaurant im Bahnhof Rehagen an der stillgelegten Strecke der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn betreibt Christophe Boyer. Neben einer Event-Location betreibt er auch ein  Schlafwagenhotel.
Das Restaurant im Bahnhof Rehagen an der stillgelegten Strecke der Königlich-Preußischen Militäreisenbahn betreibt Christophe Boyer. Neben einer Event-Location betreibt er auch ein  Schlafwagenhotel. FOTO: ZB / Bernd Settnik