Sie sind eine Alternative zum Euro und heißen Sterntaler, Havelblüte oder Zschopautaler. Dahinter verbergen sich Regionalwährungen. Die Idee vom eigenen Geld für ein überschaubares Gebiet scheint sich in Deutschland immer mehr zu verbreiten.

Vorreiter Biosphärenreservat

Seit dem Spätsommer zum Beispiel ist mit dem Lausitzer ein Zahlungsmittel für Ostsachsen im Umlauf. Die ersten der farbenfrohen Scheine wechselten Anfang September auf dem Naturmarkt im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft die Besitzer. An Regionalgeld ist die Hoffnung geknüpft, in einer Gegend verdientes Geld auch dort auszugeben und damit die heimische Wirtschaft zu stärken. In Ostsachsen akzeptieren derzeit rund 20 Unternehmen und Geschäfte den Lausitzer.

Es sei ein langer schwieriger Weg, mehr Teilnehmer zu begeistern, sagt Thomas Hempel. Er sitzt im Vorstand des Görlitzer Vereins für regionale Wirtschaftsentwicklung, der die neue Währung auf den Markt gebracht hat. Wer damit einkaufen will, erhält das Geld an zwei Kassenstellen in Görlitz und Bautzen im Verhältnis 1 : 1 gegen Euro. Insgesamt 28 000 Lausitzer liegen in der Region bereit. Erst rund 1800 davon sind als Ein-, Drei- und Fünf-Lausitzer-Scheine im Umlauf. Doch Hempel glaubt an die Idee: „Sie wird nicht erst dann gut, wenn alle mitmachen.“

Seit September führt er in Hirschfelde (Landkreis Görlitz) die Geschäfte einer Maschinenbaufirma.

In der Gegend um Potsdam hob er Ende 2004 die Havelblüte mit aus der Taufe. Dort sind die Initiatoren inzwischen einen Schritt weiter. Zusammen mit dem Urstromtaler in Sachsen-Anhalt und dem Steintaler im Südwesten Brandenburgs wird an einer stärkeren Vernetzung gearbeitet. Rund 350 Unternehmen zwischen Potsdam und Magdeburg sowie Salzwedel und Naumburg akzeptierten eine der drei Währungen, sagt Frank Jansky. Für den künftigen „Regio“ sei nun ein einheitliches Design der Scheine und ein gemeinsames Online-Banking geplant, erklärt der Rechtsanwalt.

Neben dem Urstromtaler vertritt er auch den deutschlandweiten Regionalgeldverband. Die weltweite Finanzkrise habe ihren Teil dazu beigetragen, dass Bewegung in kleinere Wirtschaftskreisläufe gekommen sei, meint Jansky. Nach Angaben seines Verbandes existieren mittlerweile knapp 30 regionale Zahlungsmittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Süden Bayerns sind schon zwei Währungen miteinander kompatibel. Für den seit 2004 existierenden Sterntaler gibt es im Berchtesgadener Land etwa 230 Akzeptanzstellen. Rund 500 für den benachbarten Chiemgauer kommen hinzu, wie Franz Galler, Vorsitzender des Sterntaler-Vereins, sagt.

Aktuell seien ungefähr 80 000 Sterntaler im Umlauf. Galler rechnet in diesem Jahr mit rund einer Million Euro Umsatz und fügt hinzu: „Das ist schon was für eine rein bürgerschaftliche Bewegung.“

Schwierige Anerkennung

Städte und Gemeinden tun sich offenbar noch schwer, Regionalgeld anzuerkennen oder selbst damit zu arbeiten. Hürden dafür sieht Rechtsanwalt Jansky vor allem in Haushaltsvorschriften begründet. „Die Kommunen dürfen keine Nachteile für die öffentlichen Finanzen und Haushalte in Kauf nehmen“, heißt es etwa aus der Görlitzer Stadtverwaltung.

In jedem Fall gelten klare Vorgaben für Regionalgeld. „Es darf dem Euro oder einer anderen Währung keinesfalls ähnlich sehen, da sonst Probleme mit der Zentralbank drohen“, macht Jördis Heizmann deutlich.

Die Görlitzer Designerin hat die Scheine für den Lausitzer gestaltet. Sie bestehen aus Spezialpapier, müssen reiß- und wasserfest sowie fälschungssicher sein. Wichtigstes Sicherheitsmerkmal ist ein silberner Hologrammstreifen. Die Frau hat sich dem Unternehmernetzwerk angeschlossen, weil sie helfen will, die regionale Wirtschaft anzukurbeln. „Das System muss bekannter werden“, betont Jördis Heizmann.