Die guten Nachrichten vom deutschen Arbeitsmarkt reißen nicht ab. Im vergangenen Monat lag die Arbeitslosenquote nur bei 6,3 Prozent und damit noch niedriger als ein Jahr zuvor. Doch an den Jobsuchenden ohne Berufsabschluss geht dieser Erfolg praktisch vorbei. So betrug der Anteil der Arbeitslosen in diesem Personenkreis zuletzt 19,6 Prozent - dreimal mehr als die allgemeine Quote. Nach Angaben des DGB sind Ungelernte viermal häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als jene mit einer abgeschlossenen Ausbildung. "Im Trend vergrößerte sich der Abstand in den vergangenen Jahren stark zum Nachteil der Ungelernten", erläutert der Arbeitsmarktexperte beim DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy.

Das hat zunächst einmal mit den Arbeitsangeboten selbst zu tun. Denn in kaum einer Region sind genügend einfache Jobs vorhanden. Selbst bei Helfertätigkeiten konkurrieren Arbeitslose auch mit Jobsuchenden, die zum Beispiel eine schulische Ausbildung abgeschlossen haben. Zwar ist der Anteil der Ungelernten, die von den Arbeitsagenturen betreut werden, also Arbeitslosengeld I beziehen, in den vergangenen fünf Jahren um knapp drei auf 22,7 Prozent zurückgegangen. Unter den Hartz-IV-Beziehern, die den Jobcentern unterstehen, stieg dieser Anteil jedoch im gleichen Zeitraum um knapp fünf auf 55,5 Prozent. Das Problem der mangelnden Qualifikation verlagert sich also in wachsendem Maße von den Arbeitsagenturen in die Jobcenter.

Dort stehen den Mitarbeitern zwar auch verschiedene Förderinstrumente zur Qualifizierung ungelernter Arbeitsloser zur Verfügung. Laut DGB-Studie sind die allermeisten Weiterbildungsmaßnahmen aber nur von kurzfristiger Natur. Darunter fallen beispielsweise Computerkurse oder der Gabelstaplerschein. Von einer abschlussorientierten Weiterbildung, die länger dauert und teurer ist, aber zu einem anerkannten Beruf führt, profitieren ungelernte Arbeitslose dagegen nur selten.

Laut DGB-Studie ist darauf weniger als jede fünfte Weiterbildungsmaßnahme der Jobcenter ausgerichtet. Bei den gering qualifizierten Arbeitslosen, die von den Arbeitsagenturen betreut werden, ist dagegen knapp jede dritte Maßnahme eine abschlussbezogene Weiterbildung. "Die Förderintensität ist in den Jobcentern niedriger als im Versicherungssystem", klagt Adamy. Ursachen seien eine unzureichende Mittelausstattung der Jobcenter, "aber auch eine häufige Ausrichtung auf einen eher kurzfristigen Integrationserfolg ohne Beachtung mittel- und langfristiger Perspektiven".

Laut Gesetz hat die Vermittlung in einen Job oberste Priorität. Dieses Prinzip stellt der DGB vor dem Hintergrund einer sich verfestigenden Arbeitslosigkeit von ungelernten Menschen nun infrage: Der Vorrang der Vermittlung müsse in ein "angemessenes Gleichgewicht" zu einer Weiterbildung mit längerfristigen Perspektiven gebracht werden, heißt es in der Untersuchung. "Denn längst nicht jeder Job ist sinnvoller als eine bedarfsgerechte Qualifizierung."