Die AUB sei in der Führungsetage bekannt gewesen als "Siemens-Kind", sagt Feldmayer. Dagegen lässt der mitangeklagte AUB-Gründer Wilhelm Schelsky in dem Verfahren um Untreue, Beihilfe zur Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung über seinen Anwalt mitteilen, er werde sich erst später äußern.

Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmayer Untreue und Steuerhinterziehung vor, weil er Schelsky, damals Inhaber einer Unternehmensberatung, 30 Millionen Euro bezahlt haben soll. Siemens habe sich in einer Rahmenvereinbarung zwar verpflichtet, Schelsky pro Quartal eine halbe Million Euro für Dienstleistungen zu bezahlen. Tatsächlich sei das Geld aber ausschließlich zum Ausbau der AUB bestimmt und eine ernsthafte Gegenleistung nie geplant gewesen.

"Politisch heikel" Feldmayer räumt die Zahlungen vor Gericht ein. "Siemens hat die Organisation der AUB finanziell unterstützt," Das sei zwar nicht Bestandteil des schriftlichen Vertrages mit Schelskys Unternehmensberatung gewesen, aber mündlich vereinbart worden. Dabei sei man sich klar über die Bedeutung gewesen: "Dass das politisch heikel war, war uns schon bewusst."

Wen Feldmayer mit "uns" meint, bleibt trotz mehrmaliger Nachfrage der Staatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke offen. Die AUB sei bekannt gewesen für praxisnahe Lösungen, die "nicht ideologisch geprägt" waren, erklärt Feldmayer. Die Rechnungen, die Schelsky unter mindestens drei verschiedenen Kürzeln gestellt habe, seien an seine Privatadresse geschickt worden, damit Mitarbeiter in der Poststelle oder der Buchhaltung keinen Verdacht schöpften. "Wenn das nach außen getragen wird, haben wir Diskussionen, die Siemens nicht haben will", schildert Feldmayer seine damaligen Überlegungen.

Bei all dem will ihm nicht klar gewesen sein, dass durch die Zuwendungen die Betriebsratswahlen beeinflusst wurden. Dabei war Schelsky nach seinen Angaben zuständig für die Auswahl geeigneter Betriebsratskandidaten und deren Schulung nach der Wahl. "Es war sonnenklar, dass einzelne Kandidaten weder persönlich unterstützt noch beeinflusst wurden", sagt Feldmayer. Es sei immer nur um die Gesamtorganisation gegangen. Dass die AUB geringere Mitgliedsbeiträge als die IG Metall verlangte, sei ihm erst im Laufe der Ermittlungen bekannt geworden.

Fehlende Verwendungsnachweise Die in der Vereinbarung mit dem seit Anfang 2007 in Untersuchungshaft sitzenden Schelsky festgelegten Leistungen wie Erarbeitung von Schulungsprogrammen, Lobbyistendienste und die Analyse von Arbeitsabläufen waren laut Feldmayer keineswegs nur "Luftnummern". Er habe lediglich die ersten vier Zahlungen persönlich angewiesen und dann die Rechnungen ungeöffnet an seinen Nachfolger des Fachbereichs weitergegeben.

"Solange die Logik gegeben war, war ich einverstanden. Erst als es aus dem Ruder lief, habe ich entsprechende Verwendungsnachweise gefordert", erzählt Feldmayer, der im Frühjahr 2007 ebenfalls für einige Tage in Untersuchungshaft saß. Da diese von Schelsky, der laut Anklage mit dem Geld auch Profisportler mit über zwei Millionen Euro unterstützt haben soll, nicht mehr geliefert wurden, kündigte Siemens im Dezember 2006 den Vertrag. Von den Ausgaben für Sportsponsoring - unter anderem für die Handballerinnen des 1. FC Nürnberg - habe er nichts gewusst, beteuert Feldmayer.

Der frühere Topmanager verweist darauf, dass es zuvor schon eine enge Zusammenarbeit der Siemens-Spitze mit Schelsky gab, die aber nicht vertraglich geregelt war. Diese habe sich auf die Schulung von Spitzenmanagern und die Beratung in Personalfragen bezogen. Das vereinbarte Honorar von einer halben Million Euro pro Quartal bezeichnet Feldmayer als "nicht überzogen".

Für den Prozess sind weitere 23 Termine anberaumt, ein Urteil wird für Ende November erwartet.