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| 02:48 Uhr

Proteste bei bedrohter Mifa

Mit Pfiffen, Trillerpfeifen und einem Transparent mit der Aufschrift „Auch wir sind Mifa“ machten die Mifa-Beschäftigte auf ihre Existenzängste aufmerksam. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Mit Pfiffen, Trillerpfeifen und einem Transparent mit der Aufschrift „Auch wir sind Mifa“ machten die Mifa-Beschäftigte auf ihre Existenzängste aufmerksam. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Sangerhausen. Nur gut zwei Jahre hat die Rettung gehalten. Die Fahrradschmiede Mifa steht schon wieder vor dem Aus. Es gibt Gespräche mit Interessenten, noch fehlt aber ein konkreter Investor. Gitta Keil / Quelle: Wikipedia

Die Stimmung auf dem Platz vor der neu gebauten Montagehalle ist gedrückt. Daran kann auch die Musik aus den Lautsprechern des IG Metall-Trucks nichts ändern. Nur etwa knapp die Hälfte der 520 Beschäftigten beim insolventen Fahrradhersteller Mifa Sangerhausen steht am Mittwoch fröstelnd in der trüben Winterluft. Gerade haben es die Fahrradbauer bei einer Betriebsversammlung erfahren - eine Lösung für das angeschlagene Unternehmen ist noch nicht in Sicht, aber es wird daran gearbeitet.

Der traditionsreiche Fahrradbauer im Süden von Sachsen-Anhalt musste Anfang des Jahres Insolvenz anmelden - zum zweiten Mal in zwei Jahren. Das Geld wurde so knapp, dass wichtige Teile nicht geordert werden können. Die Produktion für die Frühjahrsfertigung kann nicht wie geplant hochgefahren werden. Dazu steckt das Unternehmen mitten im Umzug von einem alten Standort in das neue, 17 Millionen Euro teure Werk am Stadtrand. Eine Sanierung in Eigenverwaltung platzte, auch weil die Gesellschafter um die Eigentümerfamilie von Nathusius einen Millionenkredit doch nicht gewährten.

Dagmar Enke ist seit 17 Jahren bei Mifa. Sie arbeitet in der Laufradmontage. "Die Hoffnung soll man nie aufgeben", sagt sie und hält mit einigen Mitstreitern das Transparent mit der Aufschrift "Auch wir sind Mifa" vor die Kameras. Ein grauhaariger Endfünfziger steckt sich eine Zigarette an und meint: "Ich bin ganz zufrieden, ich denke, dass es weitergeht, aber mit weniger Leuten". Zur Unterstützung sind auch ehemalige Mifa-Werker auf das Werksgelände gekommen. "Ich hab zu DDR-Zeiten hier gelernt, war neun Jahre bei Mifa. Jetzt arbeitet mein Lebensgefährte noch hier", sagt eine Frau in mittlerem Alter, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther betont, es würden mit mehreren Kaufinteressenten Gespräche geführt, für die aber Stillschweigen vereinbart worden sei. Noch seien keine Großkunden abgesprungen, aber sie wollten wissen, wann geliefert werde. "Die Antwort müssen wir in den nächsten Tagen finden", sagt der erfahrene Insolvenzverwalter, der das Unternehmen schon vor zweieinhalb Jahren durch eine Insolvenz begleitet hatte.

Zum Thema:
Der auf eine Gründung aus dem Jahr 1907 zurückgehende Betrieb erreichte in den 1920er-Jahren große Bekanntheit über Erfolge im Radrennsport. Während der beiden Weltkriege stellte das Unternehmen jeweils vollständig von Fahrrädern auf Rüstungsgüter um. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bau von Fahrrädern wieder aufgenommen. Ab Gründung der Deutschen Demokratischen Republik bis zur Übernahme durch die Treuhandanstalt 1990 wurden mehr als neun Millionen Fahrräder ausgeliefert, davon etwa 1,5 Mio. Klappräder. Auf dem Weltmarkt war der unter der Abkürzung MDF ab 1990 weitergeführte Betrieb aber nicht konkurrenzfähig. Quelle: Wikipedia