Brandenburg braucht praktisch keine neuen Gebäude mehr. „Man kann davon ausgehen, dass der Gebäudebestand, den wir in den nächsten Jahren brauchen, schon da ist“, sagte der Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, Christian Keller der RUNDSCHAU. Keller wirbt für eine neue Umbau-Kultur, die Innenstädten wie Dorfkernen gut tun soll. Ungenutzte Altbauten fit zu machen sei grundsätzlich wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als das Ausweisen neuer Wohngebiete, sagt der Architekt.

Mit dieser Einschätzung steht Keller in der Fachwelt nicht allein. Dort sieht man wuchernde Eigenheimsiedlungen zunehmend als Problem. Sie verbrauchen viel Fläche, machen aber die Bewohner vom Auto abhängig. „Wenn die Benzinpreise steigen, lässt sich diese Wohnform so nicht mehr lange aufrechterhalten“, ist der Cottbuser Architekt überzeugt.

Trotzdem setzen Kommunen auf immer neue Baugebiete. Dadurch wird neu gebaut, obwohl mehr als genug Wohnraum zur Verfügung steht. Das hat zuletzt das Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln errechnet. Die meisten ostdeutschen Kommunen, heißt es in der entsprechenden Studie, bauen zu viele Wohnungen. Beispiel Cottbus, wo auf diese Weise ein Angebots-Überhang an 188 Prozent entstand. In Elbe-Elster waren es laut der Studie 207 Prozent.

Der steigende Flächenverbrauch wird nun auch zum Politikum. In Sachsen haben die künftigen Koalitionäre von CDU, Grünen und SPD bei ihrer Sondierung beschlossen, die Flächenversiegelung „deutlich zu senken“.