Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) teilte die Hiobsbotschaft gestern der Belegschaft der insolventen Prefil GmbH mit. „Es gibt kein Angebot eines Investors.“

Märkische Faser zog zurück
Zuvor hatte die Märkische Faser, ein Nachbarbetrieb, Interesse an einer Übernahme der Prefil GmbH mit 200 Mitarbeitern bekundet. Das Land wollte dieses Vorhaben mit 29 Millionen Euro unterstützen. Doch die Märkische Faser schreckte offenbar in letzter Minute zurück. Damit blieb für Insolvenzverwalter Horst Piepenburg kein anderer Weg: Die Spinnmaschinen wurden endgültig an den einzigen Bieter verkauft - ein Unternehmen in Indien. Da die Maschinen an Banken sicherungsübereignet seien, habe es keine Handlungsalternativen gegeben.
Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte gegenüber der RUNDSCHAU: „Wir sind an die Grenzen des Möglichen und Verantwortbaren gegangen.“ Das Land könne aber einen fehlenden Investor nicht ersetzen.
Der Erhalt des Chemiestandortes Premnitz, in dem zu DDR-Zeiten das Chemiekombinat „Friedrich Engels“ mit 7500 Beschäftigten seinen Sitz hatte, ist seit der Wende eine einzige Zitterpartie. Insgesamt hat die öffentliche Hand nach Angaben des Wirtschaftsministeriums rund 430 Millionen Euro in die diverse Rettungsaktionen gesteckt. Platzeck kündigte gestern an, dass das Arbeits- und Sozialministerium versuchen werde, einen Teil der Prefil-Arbeiter über Strukturanpassungsmaßnahmen bei der Demontage der Anlagen zu beschäftigen.

Kettenreaktion befürchtet
In Premnitz wächst indessen die Sorge, dass das Ende von Prefil eine Kettenreaktion auslösen könnte. So droht, weil das Kraftwerk überdimensioniert ist, eine weitere Erhöhung der Strompreise, die die verbliebenen Unternehmen in Schwierigkeiten bringen könnte. Wirtschaftsminister Junghanns versicherte gegenüber der RUNDSCHAU, die Landesregierung werde den Standort weiter unterstützen, um die Folgen der Prefil-Pleite zu mildern. Auf Einzelheiten wollte er sich jedoch noch nicht festlegen.

Keine Großprojekte mehr
SPD-Wirtschaftssprecher Heiko Müller forderte, den gordischen Knoten zu zerschlagen: „Das Kraftwerk sollte dichtgemacht werden und dafür ein kleineres und effizienteres gebaut werden“ , schlug er vor. Müller forderte die Landesregierung Brandenburgs auf, Lehren aus dem Premnitzer Desaster zu ziehen: Keine politischen Großprojekte.
In Premnitz hätte viel früher umgesteuert werden müssen. „Man darf nicht auf das Prinzip Hoffnung bauen, wenn objektive Fakten dagegen sprechen.“
Brandenburgs PDS-Fraktionschef Lothar Bisky sprach sich ebenfalls gegen politische Großprojekte aus. Hier seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Bisky sagte, er befürchte für die Wirtschaft des Landes noch viel schlimmeres, wenn jetzt eine Rezession komme.