Es ist keine drei Wochen her, dass das Management von Praktiker beteuerte, dass die Tochter Max Bahr von der Insolvenz des Baumarkt-Konzerns keineswegs betroffen sei. Jetzt wurde auch die Edelmarke mit in den Abgrund gerissen. Die Geschäftsführung wollte offenbar ein Stückchen Hoffnung erhalten.

Darin offenbart sich für die Berliner verdi-Gewerkschaftssekretärin Janet Dumann aber eher Hilflosigkeit der Konzernverantwortlichen. "Wer die Wirtschaftskreisläufe kennt, für den kommt die Bahr-Insolvenz keinesfalls überraschend", erklärt Dumann, die zurzeit auch Sprecherin für die Lausitz ist. Gegenüber der RUNDSCHAU verweist sie auf jenen Sanierungstarif, mit dem Praktiker- und Bahr-Beschäftigte ihren Anteil geleistet hätten, um das Unternehmen zu retten. Immerhin war dabei auf fünf Prozent vom Jahreseinkommen verzichtet worden.

In der Lausitz sind nun neben den rund 400 Arbeitnehmern bei Praktiker auch 75 Bahr-Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Sie arbeiten im einzigen Lausitzer Markt in Cottbus. Dass Max Bahr einst zum rettenden Hafen für zumindest einige Praktiker-Märkte auserkoren wurde, lässt sich an den Versprechungen gegenüber den Beschäftigten in Bautzen-Jenkwitz und Zittau ableiten. Die schon im Frühjahr angekündigte Umwandlung ist allerdings nie vollzogen worden. Für die Einzelhandelsexpertin Janet Dumann ein Zeichen dafür, dass die Geschäftsführung offenbar viel zu spät gehandelt habe.

Als Grund für die Bahr-Pleite hat Praktiker am Donnerstagabend in Hamburg den Rückzug eines Warenkreditversicherers genannt, womit die Versorgung der Märkte nicht mehr gesichert gewesen sei. Zugleich wurde hinzugefügt, dass es keine positive Prognose für die Fortführung des Unternehmens gebe. Die 132 Märkte mit 5000 Beschäftigten würden geöffnet bleiben und sie sollen ihren Geschäftsbetrieb stabilisieren. Die Suche nach Investoren gehe weiter, sagte ein Sprecher einer der beiden vorläufigen Insolvenzverwalter der Praktiker-Gruppe. Max Bahr ist höherwertig positioniert als Praktiker und sollte in Deutschland zur Hauptvertriebslinie der Gruppe ausgebaut werden.

Für die Gewerkschaft verdi droht eine Zerschlagung des gesamten Konzerns. "Auch Warenkreditversicherer, Banken, Lieferanten und Vermieter müssen Verantwortung für die Arbeitsplätze und Existenzen der rund 15 000 Beschäftigten bei Max Bahr und Praktiker übernehmen", forderte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag in Hamburg. Es sei skandalös, dass ein einzelner Warenkreditversicherer aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde.

Zum Thema:
Wenn die Praktiker- und Bahr-Märkte auch geöffnet bleiben, für Besitzer von Gutscheinen sieht es schlecht aus. Jörg Schönitz aus Elsterwerda teilt der RUNDSCHAU mit, dass er seinen 75-Euro-Gutschein - ein Geburtstagsgeschenk seiner Schwester - bei Praktiker in Zeithain nicht eingelöst bekam. Verbraucherschützer verweisen darauf, dass eine Insolvenz zwar keine Verträge beendet. Der Insolvenzverwalter könne aber anweisen, dass Geschenke nicht mehr eingelöst werden. Eine Chance auf Erstattung gibt es nur, wenn Gutscheine für die Insolvenzliste angemeldet sind. Der Erfolg hängt vom Insolvenzvolumen ab. Jörg Schönitz will es dabei nicht bewenden lassen und lässt das Verfahren juristisch prüfen.