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| 07:25 Uhr

Bonn
Post entfristet Verträge bei nur wenigen Fehltagen

Bonn. Die Deutsche Post macht die Übernahme von befristet eingestellten Beschäftigten in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis davon abhängig, dass diese sich nur selten krank gemeldet haben. Dies berichtet die "Bild am Sonntag". Der Bonner Konzern bestätigt gegenüber unserer Redaktion das Vorgehen. Danach dürfen die Niederlassungen ohne Rücksprache mit der Zentrale eine Entfristung nur vornehmen, wenn der Kollege in den zurückliegenden zwei Jahren maximal 20 Tage krank war und wenn es nicht zu mehr als 20 Krankmeldungen kam. Außerdem darf es nur zu zwei selbstverschuldeten Auto-Unfällen mit einem Schaden von bis zu 5000 Euro gekommen sein. Das "Entfristungskonzept" macht den Leitern der Post-Niederlassungen außerdem Vorgaben zur Leistung der Postboten. In drei Monaten dürfen diese nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen. Reinhard Kowalewsky

Die Deutsche Post macht die Übernahme von befristet eingestellten Beschäftigten in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis davon abhängig, dass diese sich nur selten krank gemeldet haben. Dies berichtet die "Bild am Sonntag". Der Bonner Konzern bestätigt gegenüber unserer Redaktion das Vorgehen. Danach dürfen die Niederlassungen ohne Rücksprache mit der Zentrale eine Entfristung nur vornehmen, wenn der Kollege in den zurückliegenden zwei Jahren maximal 20 Tage krank war und wenn es nicht zu mehr als sechs Krankmeldungen kam. Außerdem darf es nur zu zwei selbstverschuldeten Auto-Unfällen mit einem Schaden von bis zu 5000 Euro gekommen sein. Das "Entfristungskonzept" macht den Leitern der Post-Niederlassungen außerdem Vorgaben zur Leistung der Postboten. In drei Monaten dürfen diese nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Peter Weiß, kritisiert die Kriterien der Post. "Einer modernen Personalführung ist das nicht würdig", sagt er. Die Punkte seien "grobschlächtig", das Unternehmen nehme auf "individuelle Qualifikationsfragen überhaupt keine Rücksicht". Die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke, sagte der "Bild am Sonntag": "Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig, und das bei einem Unternehmen, an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt ist."

Ein Sprecher der Post relativiert das Vorgehen: Das Regelwerk sei mit dem Betriebsrat abgestimmt. Es sei im Interesse der Kunden aber auch der Mitarbeiter, wenn bei der dauerhaften Übernahme von Mitarbeitern auch berücksichtigt wird, wie gut sie der Aufgabe als Zusteller nachkommen können. Wörtlich heißt es: "Die gleichen Medien, die sich jetzt aufregen, regen sich beim nächsten Mal wieder über schlechte Zustellqualität auf. Weder den Kunden noch den betreffenden Mitarbeitern ist damit gedient, dass wir Leute dauerhaft übernehmen, die gesundheitlich beziehungsweise körperlich dem anstrengenden Job eines Paketzustellers nicht gewachsen sind und über kurz oder lang ihr Tagesprogramm im Alltag nicht mehr bewältigen können."

Außerdem erklärt der Sprecher, auch Ausnahmen seien möglich: "Es wird jeweils der Einzelfall geprüft, denn schließlich können die Ursachen für Fehlzeiten ja höchst unterschiedlich sein." Das Unternehmen habe vergangenes Jahr 9000 befristete Arbeitsverträge in unbefristete Stellen überführt. Allein weil die Post Fachkräftemangel habe, sei abwegig, ein Aussieben von in Wahrheit geeigneten Mitarbeitern zu vermuten.