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| 02:42 Uhr

Politik will bei Opel mitreden

Rüsselsheim/Paris/Detroit. () Die Bundesregierung hat sich in die Verhandlungen um eine mögliche Übernahme des Autoherstellers Opel durch die französische PSA-Gruppe eingeschaltet. Priorität der deutschen Seite sei es, die drei Opel-Standorte zu erhalten, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Mittwoch in Berlin nach einer Kabinettssitzung. dpa/sm

Zudem müsse die Zentrale von Opel in Rüsselsheim bestehen bleiben und keine Unterabteilung eines französischen Konzerns werden.

Die Bundesregierung zeigte sich überrascht vom möglichen Opel-Verkauf. Die Ministerrunde habe das Thema Opel intensiv diskutiert, sagte Nahles. Zurzeit fänden auf verschiedenen Ebenen Gespräche statt - sowohl mit Opel als auch mit dem Mutterkonzern GM sowie mit der französischen Seite.

Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte bereits kritisiert, es sei "inakzeptabel", dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten. PSA-Chef Carlos Tavares ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Gewerkschaften bereit. Es gehe dem PSA-Chef um eine Öffnung und ein Bündnis, sagte ein PSA-Sprecher.

Mary Barra, Chefin von General Motors (GM), und der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Dan Ammann trafen sich am Mittwoch zu Gesprächen, wie ein Opel-Sprecher bestätigte. Er machte aber keine Angaben zum Inhalt. Es seien auch keine Stellungnahmen geplant. Einem Bericht des "Manager-Magazins" zufolge könnte es zudem um eine neue Elektro-Strategie gehen. Opel wollte dies nicht kommentieren.

Die Konzerne loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen und waren zwischenzeitlich auch auf der Kapitalseite miteinander verbunden. Bei einer Übernahme würde PSA zum zweitgrößten Autoproduzenten in Europa hinter Volkswagen aufsteigen. Nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer stehen im Falle einer Übernahme von Opel durch PSA Tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten, sagte Dudenhöffer am Mittwoch. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums.

Mindestens ein Drittel der rund 15 000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition. Die Opel-Produktion würde voraussichtlich in den ebenfalls nicht ausgelasteten PSA-Autobau eingegliedert. Das lasse sich aus der bisherigen Mehrmarken-Strategie der PSA mit Peugeot, Citroën und DS ablesen. "Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden", sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die vorhandenen Kapazitäten seien eher zu groß, sodass die Lage für die Opel-Werke in Eisenach und Kaiserslautern über Nacht schlechter geworden sei.