ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 21:06 Uhr

Steuer-Serie
Pendler können oft mehr als die Pauschale ausschöpfen

Die Zahl der Pendler steigt. Allein aus Südbrandenburg sowie den ostsächsischen Landkreisen Bautzen und Görlitz  fahren täglich mehr als 166 000 Männer und Frauen zur Arbeit in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland - viele sind mit der Bahn oder dem eigenen Auto unterwegs. Foto: dpa
Die Zahl der Pendler steigt. Allein aus Südbrandenburg sowie den ostsächsischen Landkreisen Bautzen und Görlitz fahren täglich mehr als 166 000 Männer und Frauen zur Arbeit in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland - viele sind mit der Bahn oder dem eigenen Auto unterwegs. Foto: dpa FOTO: Sebastian Gollnow / dpa
COTTBUS/DRESDEN. Belege sammeln und Reisekosten sorgfältig abrechnen zahlt sich besonders aus. Bei Job im Ausland auf Steuerabkommen achten.

(moe) Das Land Brandenburg gilt bundesweit als Pendler-Meister. Nahezu jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Brandenburg  pendelt zum Job in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland.

2017 betraf das 286 092 Frauen und Männer insgesamt im Land Brandenburg, 100 952 davon aus  den  Südbrandenburger Landkreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus. Aus Sachsen  pendelten 138 800 Männer und Frauen im vergangenen Jahr zur Arbeit aus in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland.

 Die meisten Auspendler aus Sachsen arbeiten in Bayern (26 686),  Sachsen-Anhalt (24 086), Thüringen (20 879) und Brandenburg (17 779). Aus den Agenturbezirken Cottbus und Bautzen der Agentur für Arbeit pendeln täglich mehr als 166 000 Frauen und Männer zur Arbeit in einen anderen Landkreis oder ein anderes Bundesland aus. Dabei legen sie  lange Strecken zurück und verbringen reichlich Lebenszeit auf der Strecke, während andere, die im Heimatort arbeiten, schon im  Feierabend sind.

Wenn es sich vom Verdienst her rechnet, nimmt das mancher gern in Kauf. Auch der Fiskus zieht mit – beispielsweise mit der Entfernungspauschale.  Pendler können unter Umständen noch viel mehr geltend machen, müssen dafür aber einiges tun.

Erste Tätigkeitsstätte beachten:

„Seit einigen Jahren spielt hier der Begriff ‚erste Tätigkeitsstätte‘ eine wesentliche Rolle. Daneben können ein weiträumiges Arbeitsgebiet, Ortswechsel innerhalb des Jahres oder gar Tätigkeiten im Ausland zu äußerst komplizierten steuerrechtlichen Auswirkungen führen“, sagt  Honsa Ehmke, Steuerberater und Geschäftsführer der Steuerberatungsgesellschaft Ehmke & Ehmke Treuhand Niederlausitz GmbH, Schwarzheide. Er rät Betroffenen: „Lassen Sie sich von ihrem Arbeitgeber die ‚erste Tätigkeitsstätte‘ jährlich einmal bestätigen, halten Sie Ihre Nachweisführung der gefahrenen Kilometer und Reisezeiten immer aktuell und lassen Sie diese nach Möglichkeit ebenfalls von Ihrem Arbeitgeber gegenzeichnen.“

Belege sorgfältig sammeln:

„Gerade die Pendler mit ihren hohen Werbungskosten wie Fahrtkosten, Entfernungspauschale, Dienst­reisen, Einsatzwechseltätigkeit, Doppelter Haushaltsführung und so weiter  müssen  besonders sorgsam mit ihren Nachweisen umgehen“, sagt  Dirk Rosenbaum von der Rosenbaum Treuhand Steuerbratungsgesellschaft mbH Cottbus. „Wer mit seiner Pendlerpauschale 4500 Euro Werbungskosten erreicht und überschreitet, muss den tatsächlichen Aufwand nachweisen können.“  Das Wichtigste sei, „dass  alle vom Arbeitgeber erstatteten Reisekosten wie Übernachtung, Verpflegungsmehraufwand und Fahrtkosten in der eigenen Einkommensteuererklärung nochmals erklärt werden und mit den steuerfreien Erstattungen des Arbeitgebers verrechnet werden“.  Ansonsten droht eine Nachversteuerung der Spesen, so Dirk Rosenbaum. Auch er verweist darauf, dass es im Zweifel einer  Bestätigung des Arbeitgebers über den Ort der regelmäßigen, ersten  Tätigkeitsstätte bedarf.

Tätigkeit im Ausland:

Für Pendler, die im Ausland arbeiten, gelten – sofern diese nicht ohnehin im Ausland ihre Steuern zu entrichten haben – andere Reisekosten-Pauschalen, insbesondere für Übernachtung und Verpflegung. „Auch hier muss die eigene Steuererklärung eng mit den vom Arbeitgeber eventuell  erstatteten Reisekosten abgestimmt werden“, sagt Dirk Rosenbaum.

Doppelbesteuerungsabkommen:

Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des   Bundesverbandes der  Lohnsteuerhilfevereine (BVL), macht auf Risiken aufmerksam: „Bei  Tätigkeit im Ausland ist zu prüfen, ob der Lohn in Deutschland oder im Ausland zu versteuern ist. Einzelheiten regeln die Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den jeweiligen Ländern“, sagt er und fügt an: „Das Ausland hat meist das Besteuerungsrecht, wenn der Arbeitgeber in dem Land seinen Betriebssitz hat, in dem man arbeitet, oder wenn die Tätigkeit mehr als 183 Tage im Ausland erfolgte.“ Bei Besteuerung im Ausland bleibt der Lohn in Deutschland meist steuerfrei, wird aber beim Steuersatz für das übrige Einkommen berücksichtigt, so Rauhöft. Dabei werden ebenfalls Werbungskosten abgezogen. Fazit: Eine steuerliche Beratung ist in diesen Fällen unbedingt anzuraten.

Infos und Steuerrechner:

(moe)