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Passagiere werden befördert

Am Mittwoch lief der Flugbetrieb bei Air Berlin – hier vor dem Start in Berlin Tegel – normal.
Am Mittwoch lief der Flugbetrieb bei Air Berlin – hier vor dem Start in Berlin Tegel – normal. FOTO: dpa
Berlin. Lange hatte es sich angedeutet, doch immer bekam Air Berlin noch die Kurve. Jetzt hat die Fluggesellschaft Insolvenz angemeldet. Theresa Münch, Bernd Röder, Christian Ebner und Steffen Weyer

Die RUNDSCHAU klärt die wichtigsten Fragen.

Was passiert mit meinen gebuchten Flügen? Komme ich noch von Mallorca weg?
Wer jetzt mit Air Berlin im Urlaub ist, muss sich um den Rückflug laut Fluggesellschaft keine Sorgen machen. Alle Flüge von Air Berlin und der Tochter Niki fänden weiter statt, versichert das Unternehmen. Gebuchte Tickets bleiben gültig. Auch neue Air-Berlin-Flüge kann man weiterhin buchen. Sichergestellt wird das durch einen 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung.

Wie lange reicht das Geld aus, um in der Luft zu bleiben?
Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, dass der Flugbetrieb damit für ungefähr drei Monate gesichert ist. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem gesicherten Flugbetrieb bis Ende November.

Und danach?
Der Kredit soll den Rahmen für eine Übernahme schaffen. Denn allein sieht sich Air Berlin nicht mehr überlebensfähig. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft schreibt schon seit 2008 Verluste - mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms. So schlecht wie im vergangenen Jahr war es aber nie: Rund 782 Millionen Euro Verlust, ein Schuldenberg von knapp 1,2 Milliarden Euro.

Bekamen das auch die Passagiere zu spüren?
So richtig eigentlich erst seit dem Frühjahr: Ausfälle und Verspätungen häuften sich, in Berlin gab es auch große Probleme mit dem Gepäck. Die Krise verschreckte immer mehr Kunden. Im Urlaubsmonat Juli sank die Zahl der Fluggäste verglichen mit dem Vorjahreswert um fast ein Viertel. Von Januar bis Juli gab es einen Rückgang um 16 Prozent - nicht nur, weil Air Berlin Flotte und Streckennetz verkleinert hat.

Warum kommt die Insolvenz gerade jetzt?
Jahrelang hat der arabische Großaktionär Etihad Air Berlin mit Finanzspritzen in der Luft gehalten. Jetzt aber habe Etihad mitgeteilt, "dass sie nicht mehr beabsichtigt, Air Berlin finanziell zu unterstützen", teilte die Fluggesellschaft mit. Am vergangenen Mittwoch habe der arabische Partner eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht überwiesen. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, dass sie nicht mehr helfen wollten.

Was ist das Ziel der Insolvenz?
Eine Insolvenz in Eigenverwaltung zielt darauf, das Unternehmen weiter am Leben zu erhalten. Es soll nicht abgewickelt werden, stattdessen soll der Flugbetrieb in einer soliden neuen Struktur weitergehen. Der bereits begonnene radikale Umbau soll fortgeführt werden. Erster Anwärter auf die Übernahme von Teilen Air Berlins ist die Lufthansa, aber nur, wenn die Schulden zuvor getilgt sind.

Was ist mit den Schulden?
Die sind noch da. Der vorläufige Sachwalter, der dem Management an die Seite gestellt wird, muss nun in Verhandlungen mit den Gläubigern eine Lösung finden. Die müssen auf viel Geld verzichten. Letztlich kommt es darauf an, was die Gläubigerversammlung entscheidet. Da dürfte vor allem Etihad ein entscheidendes Wort mitsprechen.

Warum springt die Bundesregierung einem Unternehmen so bei?
Das hat sicherlich auch mit der anstehenden Bundestagswahl zu tun. Bilder von Urlaubern, die von ihrem Ferienort nicht mehr zurückkommen, hätten niemandem in der Bundesregierung gefallen. Air Berlin hat trotz Krise bei vielen Deutschen immer noch einen guten Namen. Die Bundesregierung sichert mit ihrem Kredit einen halbwegs geregelten Übergang - in der Hoffnung, dass Lufthansa Teile übernimmt.