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| 02:45 Uhr

"Ostdeutschland hat die modernen Kraftwerke"

Braunkohlekraftwerk im südbrandenburgischen Jänschwalde: Ist Wirtschaftswachstum zwangsweise schlecht für das Klima? Nein, das sei ein „Mythos“, betont ein Expertenbericht. Foto: Patrick Pleul/Archiv
Braunkohlekraftwerk im südbrandenburgischen Jänschwalde: Ist Wirtschaftswachstum zwangsweise schlecht für das Klima? Nein, das sei ein „Mythos“, betont ein Expertenbericht. Foto: Patrick Pleul/Archiv
Leipzig. Zu wenig Markt Zu langsam. Irgendwie zerfasert. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist keiner wirklich zufrieden. Aber alle, die beim Energiekonvent der enviaM am Montag in Leipzig mitdiskutierten, wollen die Energie wende. Christine Keilholz

Die Energiewende, soweit bis jetzt umgesetzt, ist "ein bisschen zerfasert", räumt Iris Gleicke ein. "Die Politik hat die Komplexität der Herausforderungen unterschätzt", sagte die SPD-Wirtschaftsstaatssekretärin und Ost-Beauftragte der Bundesregierung am Montagabend beim Energiekonvent in Leipzig.

Geladen hatte envia M, der als führender regionaler Energiedienstleister in Ostdeutschland mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien so seine Probleme hat. "Die Energiewende ist ein richtiger und wichtiger Schritt", sagte enviaM-Vorstandsvorsitzender Tim Hartmann. Er hätte sich allerdings mehr Markt gewünscht. "Ein weiterer Zubau bei den Erneuerbaren geht nur mit dem parallelen Ausbau der Netze", betonte Hartmann und forderte eine "gemeinsame ostdeutsche Linie zu den anstehenden Fragen". Die Ostbeauftragte stellte dazu schon mal klar: "Ostdeutschland hat den moderneren Kraftwerks park."

Zur Akzeptanz der Energiewende unter den Ostdeutschen hat enviaM kürzlich eine Befragung vom Leipziger Institut für Marktforschung (IM) durchführen lassen. Das Ergebnis offenbart viel Misstrauen. 62 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die gerade zweieinhalb Monate alte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Strompreise weiter steigen lässt.

Dass die Strompreise sinken, oder zumindest nicht weiter steigen, ist auch für Versorger wie die enviaM ein zentrales Anliegen. "Die Politik hat gesagt, der Preis wird nicht steigen", erinnerte Tim Hartmann, "die Versorger waren dann die Überbringer der schlechten Nachricht." Man betreibe nun Tag für Tag Krisenmanagement und müsse erklären, dass vom gestiegenen Preis am Ende das wenigste bei den Energieunternehmen lande. "Ich habe allerdings keine Hoffnung auf mittelfristig sinkende Preise." Eine bezahlbare Energieversorgung sei nun mal entscheidend für die Akzeptanz der Energiewende, so der enviaM-Chef.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, das umstrittene EEG bis Sommer 2014 auf neue Füße zu stellen. Anfang August trat die Reform in Kraft mit dem Ziel, die EEG-Umlage stabil zu halten und damit die Bezahlbarkeit von Strom sowie die Versorgungssicherheit sicherzustellen. Eine weitere Novelle soll noch in dieser Legislaturperiode folgen. Entsprechend groß ist der Druck der Energieverbände, ihre Positionen im Gesetzentwurf wiederzufinden. So mahnte am Montag Johannes Kempmann, Chef des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, zu Verbesserungen beim Handel mit Emissionszertifikaten. "Da tut die Politik bislang nichts." Das wies Iris Gleicke von sich - auch wenn der Zertifikatehandel bis jetzt "nicht gut gelaufen" sei. "Wir werden dazu demnächst auf europäischer Ebe ne noch einen Vorstoß machen."