Unter den ostdeutschen Sparkassen hatte es bis Mitte der 90er-Jahre zahlreiche Fusionen gegeben. Die Zahl der Mitgliedsinstitute in den OSGV-Ländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern war von 165 auf den bis heute bestehenden Stand von 72 Sparkassen gesunken. Nach einer Konsolidierung seien Fusionen "erstmals seit längerer Zeit wieder ein Thema", sagte Voigt. Dies betreffe Regionen, wo es die "Realitäten regionaler Wirtschaftsräume" erforderten. Eine Rolle spiele auch der anhaltende Bevölkerungsrückgang in den neuen Ländern, sagte Verbandsgeschäftsführer Claus Friedrich Holtmann.

Kritik am Rückzug privater Banken
Die Ost-Sparkassen kritisierten den anhaltenden Rückzug privater Banken aus der Fläche. Es bestehe die Gefahr, dass das risikoreichere Kreditgeschäft in den neuen Ländern ausschließlich bei den in den Regionen vorhandenen Instituten hängen bleibe. "Wir beobachten mit Sorge, dass sich unsere Wettbewerber aus der Fläche zurückziehen", sagte Voigt. Besonders im ländlichen Raum blieben oft nur noch Sparkassen als Kreditgeber für kleine und mittlere Firmen. Durch sinkenden Wettbewerb falle die Möglichkeit weg, Risiken auszugleichen. "Es besteht die Gefahr, dass sich bei den verbleibenden Instituten allmählich 'Klumpenrisiken' bilden."
Insgesamt werde das Kreditgeschäft im Osten generell als stärker risikobehaftet eingestuft als im Westen. Selbst mit hoher Rückzahlungswahrscheinlichkeit eingestufte Kredite würden deshalb mit einem Aufschlag vergeben. In der Vergangenheit hätten Ost-Sparkassen relativ früh und radikal wertberichtigt, da sie Immobilienrisiken realistischer eingeschätzt hätten als westdeutsche Institute. Jetzt kämen zusätzliche Belastungen hinzu. In einem Dominoeffekt gerieten nun Firmen in Schieflage, die vor kurzem noch Top-Adressen waren.

Geldinstitute nicht in Not
Unter den OSGV-Instituten bestehe derzeit jedoch keine akute Not, sagte Holtmann. In der Debatte um künftige Sicherungsmodelle für Sparkassen durch den Wegfall der Gewährträgerhaftung lehnte Holtmann einen Risikoaufschlag Ost ab. Wichtiger sei es, ein Verfahren zu entwickeln, Risiken schon im Vorfeld zu erkennen und gegenzusteuern.
Insgesamt hätten sich die Ost-Sparkassen 2002 jedoch trotz Wirtschafts- und Bankenkrise gut behauptet und bei Ertrag sowie Bilanzsumme zugelegt. Die derzeit 1895 Geschäftsstellen mit 29 000 Beschäftigten seien ein Aktivposten. Voigt erklärte, die Bilanzsumme der Institute habe sich um 1,2 Milliarden auf 98,5 Milliarden Euro erhöht. Das Betriebsergebnis vor Bewertung sei um fast 18 Prozent gestiegen. Allerdings würden angesichts ge-stiegener Insolvenzzahlen nochmals deutliche Wertberichtigungen erwartet. In diesem Jahr sei die Problemlage nicht anders. (dpa/rb)

Hintergrund Kredite und Einlagen
Die Insolvenzwelle, die hohe Arbeitslosigkeit und das schlechte Konsumklima in den neuen Ländern spiegeln sich auch im Kreditgeschäft der ostdeutschen Sparkassen wider.
Der Kreditbestand erhöhte sich zum Jahresende 2002 nur um ein Prozent auf 36,6 Milliarden Euro.
Die Kreditvergabe an Privatpersonen wuchs im vergangenen Jahr um 419 Millionen auf 15,9 Milliarden Euro.
Vor allem für Wohneigentum haben die ostdeutschen Sparkassenkunden Geld aufgenommen. Der Bestand der privaten Wohnungsbaudarlehen bei den Sparkassen erhöhte sich hier um 3,8 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro.
Unternehmens-Kredite dagegen verringerten sich um 1,6 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro.
Die Einlagen privater Haushalte stiegen 2002 nur noch um 1,2 Milliarden Euro nach 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2001. Sie betrugen 2002 insgesamt 76 Milliarden Euro.
Die Geldvermögensbildung der Kunden (Einlagen plus Wertpapiere) halbierte sich gegenüber 2001 auf 2,4 Milliarden Euro. ((ddp.vwd/rb)