Bildungsmaßnahmen vom Jobcenter oder Ein-Euro-Jobs brechen die unter 25-Jährigen ab, weil sie ihnen zu anstrengend oder zu langweilig erscheinen.

In dieser Lebenssituation, allerdings mit einem Hauptschulabschluss, kam der 21-jährige Stefan in die Offene Jugendwerkstatt. Er hatte einfach nach der Schule keine Lust auf eine regelmäßige Arbeit und keine Vorstellung, was er überhaupt machen wollte. Dazu kam, dass er "zu viel gefeiert habe", wie er seine damalige Situation schildert. Seine alleinerziehende Mutter konnte ihm nicht helfen, weil sie mit ihrem eigenen Leben Probleme hatte. Durch kontinuierliche Gespräche mit Juliane Menzel und seinem Vater hat der Junge schließlich die Kurve gekriegt. Er arbeitet jetzt regelmäßig in der Werkstatt und will eine Lehre als Straßenbauer aufnehmen. Vorher jedoch organisiert er sich gemeinsam mit der Sozialarbeiterin ein Praktikum bei der Firma Pasora Bau, um den Beruf richtig kennen zu lernen.

Das Bethesda-Haus bietet benachteiligten Jugendlichen mit einem ständig möglichen Einstieg Einblick in die Berufsfelder Holz, Bau und Garten, erklärt der Anleiter Bau Manfred Bether. In der Holzwerkstatt werden alte Stühle für die Krabatmühle Schwarzkollm aufgearbeitet, im Bethesda-Hauses Räume gemalert und der Garten in Ordnung gehalten. In ihrer Anfangsphase sollen sich die jungen Leute an regelmäßiges Aufstehen und Arbeiten, den Umgang mit Vorgesetzten und die Planung eines Alltages wieder gewöhnen. Dabei bekommt jeder Einzelne gezielte Unterstützung von Juliane Menzel. Die junge Frau klärt mit ihnen ihre Situation und begleitet sie, wenn nötig, zur Schuldner- oder Suchtberatung genauso wie zur Jugendgerichtshilfe. Haben sich die Jugendlichen stabilisiert und arbeiten regelmäßig, können sie auch Aufträge in Kindereinrichtungen erfüllen, sagt Manfred Bether. Dort werden Wege gepflastert oder Räume gemalert. "Bis zu diesem Ziel ist es nicht einfach, denn es dauert meist einige Monate, bis das Vertrauen zu den Betreuern gewachsen ist", ergänzt der Anleiter. Die Voraussetzung dafür sieht er in einem fairen und ehrlichen Umgang miteinander.

Das Projekt des Diakonischen Werkes Hoyerswerda unter dem Namen "Holz, Steine, Farben" hatte von 1992 bis März 2011 zum Ziel, junge Leute vorrangig auf den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Seitdem es Offene Jugendwerkstatt Hoyerswerda/Kamenz ist, erfolgt die Integration vorrangig auf den zweiten Arbeitsmarkt ins Berufsvorbereitungsjahr, die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine überbetriebliche Lehre. Diese Veränderung findet Juliane Menzel "zwar nicht so gut, aber besser so, als ganz ohne ein Projekt". Es gab eine Ausschreibung im Landkreis mit dieser Zielsetzung und die Diakonie bekam den Zuschlag, schiebt sie eine Erklärung nach. Die Offene Jugendwerkstatt wird vom Jugendamt des Kreises Bautzen und dem Jobcenter Kamenz bis März 2012 finanziert.