Die OECD rechnet im kommenden Jahr mit einem breiten Aufschwung in den 30 wichtigsten Industriestaaten. Auch in Deutschland sei die Wende geschafft. "Der Konjunkturmotor wollte lange Zeit nicht richtig anspringen, nun hat endlich doch im gesamten OECD-Raum eine merkliche Erholung eingesetzt", sagte OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe Cotis gestern in Paris. Das Wirtschaftswachstum dürfte 2004 auf 3,0 Prozent anziehen nach 2,0 Prozent im laufenden Jahr.

USA bleiben Konjunktur-Lok
Die Weltwirtschaft werde von der Konjunkturlokomotive USA angeschoben. Europa hinke noch hinterher. Für die Euro-Länder rechnet die OECD 2004 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, nachdem in der Frühjahrsprognose noch von 2,4 Prozent ausgegangen wurde. "Es rumpelt noch etwas in Europa, aber die Stimmung verbessert sich auf breiter Front", meinte OECD-Experte Andreas Wörgötter. Für 2005 veranschlagt die Organisation für die Euro-Länder und für die gesamte EU jeweils 2,5 Prozent. Für den OECD-Raum werden 3,1 Prozent vorausgesagt, wobei sich die Arbeitslosigkeit vor allem in Europa aber kaum reduziere.
Das Konjunkturtal im laufenden Jahr sei in den Euro-Ländern tiefer ausgefallen, weil die Binnennachfrage in großen Volkswirtschaften wie Deutschland noch schleppend verlaufe und das Exportwachstum kurzzeitig gesunken sei. Deshalb lege Deutschland 2003 eine Nullrunde ein, bevor dann 2004 mit dem sich wiederbelebendem Export die Wirtschaft um 1,5 Prozent zulege und der Aufschwung 2005 mit 2,3 Prozent stärker Fuß fasse.
Noch Optimistischer werden die Aussichten für die US-Wirtschaft gesehen, die 2004 mit voraussichtlich 4,2 Prozent schneller wachsen dürfte als erwartet. Auch die Erholung in Japan erweise sich als überraschend stabil. Nach dem Ende des Irak-Kriegs sei das geopolitische Umfeld beständiger, das Vertrauen sei auch an den Finanzmärkten gewachsen, die Inflation bleibe gedämpft. Die Ölpreise hätten sich stabilisiert und würden weiter bei 27 Dollar je Barrel (159 Liter) gesehen.
Große Risiken berge allerdings die Wechselkursentwicklung vor dem Hintergrund der hohen Verschuldungsquoten. "Alle großen OECD-Länder weisen beispiellos hohe Staatsdefizite auf", klagte Cotis. Bei den Anstrengungen zum Abbau und den geplanten Strukturreformen dürfe nicht nachgelassen werden. Speziell das US-Leistungsbilanz- und Staatsdefizit sei "untragbar hoch". Komme es auf Grund der Ungleichgewichte zu einem schnellen Dollarverfall und einem weiteren starken Euro-Anstieg, dann könnte dies "den sich anbahnenden Aufschwung in Europa abwürgen", warnt die OECD.

Wichtige Reformen eingeleitet
Auch in Deutschland seien die Exporte noch der Motor für die Erholung, erklärte OECD-Deutschland-Experte Eckhard Wurzel. Der Aufschwung dürfte sich jedoch langsam verbreitern und auch auf Konsum und Investitionen übergreifen. "In Deutschland sind wichtige Reformen angestoßen worden, die nicht verwässert werden dürfen", erklärte er. Vor allem in der Arbeitsmarktpolitik müsse rascher gehandelt werden.
Das gesamtstaatliche Defizit werde 2003 auf 4,1 Prozent steigen und 2005 voraussichtlich noch 3,5 Prozent betragen. Es werde damit erheblich über der Defizitgrenze des Stabilitäts- und Wachstumspakts von drei Prozent liegen. (dpa/afp/rb)