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| 01:06 Uhr

Novartis schluckt Hexal

Mit der Übernahme des Generika-Herstellers Hexal durch Novartis kommt nach der Pharma-Fusionswelle nun auch die Konsolidierung im Markt für Nachahmer-Präparate in Gang. Branchenbeobachter erwarten von der bisher größten Transaktion in diesem Segment eine Signalwirkung. „Damit ist eine neue Runde eingeläutet worden“, sagte Pharma-Analyst Thomas Brenning von Helaba Trust. Von Christine Schultze

Zahlreiche Patentabläufe und ein steigendes Kostenbewusstsein, beispielsweise im europaweit wichtigsten Generika-Markt Deutschland mit einem Umsatzvolumen von schätzungsweise 4,6 Milliarden Euro, dürften vor allem große Spieler in der Branche zu ähnlichen Entscheidungen bewegen.
Auch der Fusions-Spezialist Thomas Kautzsch von der Unternehmensberatung Mercer sieht eine zunehmende Konzentration. Dabei liege die Logik vor allem in der Stärkung der Vertriebsbasis. "Da kann es Sinn machen, dass ich mein Programm ergänze oder geographisch präsenter werde." Auch sei die Branche weltweit mit etwa 20 bis 30 großen Firmen noch vergleichsweise stark zersplittert.
In Deutschland teilen die drei größten Hersteller ratiopharm, Hexal und Stada etwa die Hälfte des Generika-Marktes unter sich auf, weltweit kommt der künftige Spitzenreiter Novartis mit Hexal und dem Schwester-Unternehmen Eon Labs aber nach Branchen-Einschätzung lediglich auf einen Marktanteil von etwa neun Prozent. Durch recht ordentliche Margen sei der Druck zu Zusammenschlüssen bisher noch nicht so hoch gewesen, daher hinke die Pharma-Branche beim Fusionsthema noch etwas hinterher, sagt Kautzsch.

Zwang zur Konsolidierung nimmt zu
Für Ulrich Huwald von M.M. Warburg liegt der Drang zu Konsolidierung und Kosteneinsparungen schon im Generika-Markt selbst begründet. Die Hersteller müssten schnell mit neuen Produkten am Markt vertreten sein und für ihre Medikamenten-Zulassungen viel in Forschung und Entwicklung investieren. "Der Zwang zu Konsolidierungen wird zunehmen."
Dass auch der Markt bereits weitere Übernahme-Szenarien durchspielt, zeigte gestern schon die Aktienkursentwicklung von Stada als deutscher Nummer drei. Die Papiere des Unternehmens mit Sitz in Bad Vilbel gewannen nach Bekanntgabe der Hexal-Transaktion bis zum Nachmittag fast sechs Prozent auf über 24,50 Euro. "Stada könnte ein Übernahme-Kandidat werden", sagte Brenning.

Interessenten für Marktdritten Stada
Als börsennotiertes Unternehmen mit 100 Prozent der Anteile im Streubesitz könnte Stada für das amerikanisch-israelische Unternehmen Teva Pharmaceuticals interessant werden, das durch die Hexal- Übernahme durch Novartis von seinem weltweiten Platz eins verdrängt wird. Gut 1,5 Milliarden Euro müssten Interessenten nach Einschätzung von Huwald für Stada zahlen.
Aber auch der neue europäische Pharma-Riese Sanofi-Aventis hatte bereits angekündigt, sich im Bereich Gene rika künftig verstärken zu wollen. "Das Wachstum bei den Generika dürfte auch in den kommenden Jahren größer sein als bei Original-Präparaten", sagt Brenning. Zusammenschlüsse wie im Falle von Novartis und Hexal versprächen vielfältige Synergien, beispielsweise bei Produktion, Infrastruktur, Verwaltung oder Forschung. Auch die europäischen und weltweiten Zulassungen für Generika könnten die fusionierten Firmen gemeinsam betreiben und dadurch Kosten sparen.