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| 01:03 Uhr

Noch zwei Galileo-Konsortien

Neue Anwendungsgebiete für Industrie, öffentliche Dienste und private Verbraucher, tausende zusätzliche Arbeitsplätze und milliardenschwere Umsätze – mit diesen Argumenten wirbt die EU-Kommission seit Jahren für ein europäisches Satelliten-Navigationssystem. Von Laurent Barthelemy

Heute rückt die Realisierung von Galileo ein Stück näher. Die Konsortien, die sich um den Aufbau der europäischen Konkurrenz zum US-System GPS beworben haben, legen ihre endgültigen Angebote in Brüssel auf den Tisch.

Rasant wachsender Markt
Wer den Zuschlag für den lukrativen Auftrag bekommen wird, soll bis zum 1. März entschieden werden. Es geht um den Einstieg in einen rasant wachsenden Markt. Die Umsätze für die Satellitennavigation lagen 2003 schon bei rund 20 Milliarden Euro, im Jahr 2020 wird mit über 200 Milliarden Euro gerechnet.
Für den Einstieg in diesen Markt liegt die finanzielle Hürde allerdings hoch: Nach gut einer Milliarde Euro für die Vorlaufphase, die allein aus öffentlichen Kassen aufgebracht wurde, werden für die Errichtung des Systems nochmals 2,1 Milliarden Euro Kosten veranschlagt. Die öffentliche Hand wird davon nur ein Drittel zuschießen, die privaten Unternehmen müssen deshalb noch 1,4 Milliarden Euro vorfinanzieren. Mit diesem Geld sollen 30 Galileo-Satelliten knapp 24 000 Kilometer über der Erde ausgesetzt und die Technik am Boden bezahlt werden. Hinzu kommen schätzungsweise noch einmal rund 220 Millionen Euro jährliche Betriebskosten.
In die Endrunde für den Konzessionsvertrag haben es zwei Konsortien geschafft: "Eurely" um die Unternehmen Alcatel aus Frankreich und Finmeccania aus Italien sowie "inavsat" mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem französischen Thales-Konzern. Das im Bieterverfahren erfolgreiche Konsortium darf mit Galileo zunächst 20 Jahre lang Geld verdienen.

Vielfältige Anwendungen
Wer Galileo ab 2008 betreiben will, muss eine ganze Liste festgelegter Dienste bereitstellen können. Von dem ausdrücklich für zivile Zwecke entwickelten System wird ein "offener Dienst" für Anwendungen auf Massenmärkten erwartet. Dazu gehört die Übermittlung kostenloser Signale zur Zeitsteuerung und zur Positionsbestimmung, die genauer sein sollen als die Berechnung des eigenen Standorts mithilfe des GPS-Systems.
Kommerzielle Nutzer können zum Beispiel Flug- und Schifffahrtsunternehmen sowie andere Verkehrsbetriebe sein. Ein spezieller Dienst soll für Polizei und Zoll angeboten werden.