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| 17:18 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten Iris Helbeck
Nichts blieb, wie es war

Nach dem Verkauf der von ihr aufgebauten Helbeck-Gruppe an die Hectas Facility Services blieb Iris Helbeck dem Unternehmensverbund bis Ende 2017 als Geschäftsführerin erhalten.
Nach dem Verkauf der von ihr aufgebauten Helbeck-Gruppe an die Hectas Facility Services blieb Iris Helbeck dem Unternehmensverbund bis Ende 2017 als Geschäftsführerin erhalten. FOTO: Promo
Forst. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region. Heute: Iris Helbeck, Firmengruppe Helbeck.

Zu DDR-Zeiten war ich im Dienstleistungskombinat Cottbus tätig und arbeitete in Forst (Lausitz) als Produktionsleiter. Das Kombinat vereinte sämtliche Dienstleistungsbetriebe des Bezirks Cottbus. Dazu gehörten viele verschiedene Leistungsarten: Wäscherei, Büromaschinenreparatur, Uhrmacher, Schuhmacher, Schneiderei, Täschnerwaren, Reparaturbetriebe für Nähmaschinen und Elektrogeräte. Alles wurde repariert, sogar Nylonstrümpfe. Beutel nähten wir selbst – Plastiktüten gab es nicht! Das war umweltfreundlich, aber dem Mangel geschuldet. Ich glaube, heute werfen wir vieles zu schnell weg.

Den Betrieb in Forst aufrechtzuerhalten, fiel in den Achtzigerjahren nicht leicht. So konnte ich keine neuen Gebäudereinigungsmaschinen kaufen. Mit der Wende 1990 kamen Firmen aus dem Westen und boten an: „Wir haben die nötige Technik.“ Von uns wusste keiner, wie es weitergehen würde. Es kam die Weisung: Alle Betriebe werden in GmbHs umgewandelt. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Privatisierung des Dienstleistungskombinats mit seinen vielen Gewerken gelingen würde.

Dennoch wagte ich den Sprung: Im März 1991 gründete ich auf eigene Faust eine Gebäudereinigungsfirma. Mein Mann war im Januar 1990 über das Auffanglager Unna in die BRD gegangen. Bis Mai 1991 arbeitete er in einer Baufirma in Düsseldorf. Das war für uns beide und unsere Kinder eine schwere Zeit. Keiner konnte abschätzen, was die Zukunft bringt. Doch wir lernten, wie das neue System funktionierte. Wir entschieden uns, in Forst zu bleiben und unsere Firma gemeinsam aufzubauen.

Die Finanzierung zu sichern und bei der Bank um den ersten Kredit zu verhandeln – ohne eine Bilanz vorlegen zu können – kostete mich viele schlaflose Nächte. Als erste Kunden gewann ich unser Krankenhaus in Forst, das Gymnasium und das Oberstufenzentrum. Diese hatten bisher alle Reinigungsarbeiten in Eigenregie ausgeführt und wollten sie nun auslagern. Wir bewarben uns und gewannen die Ausschreibungen.

Zu DDR-Zeiten hatte ich im Kombinat auch die Kesselreinigung in den vertraglich gebundenen Kraftwerken unter mir. Diese Arbeit erledigten ausschließlich Männer. „Das schaffst du nie! Die Männer, mit denen kannst du nicht“, sagten meine Kollegen voraus. Ich konnte! Einige sind mir bis zuletzt treu geblieben.

Die Abteilung Kesselreinigung wurde jedoch über die Treuhand an eine Firma aus Duisburg verkauft. Ich bekam keine Chance, sie zu erwerben. Deshalb gründete ich mit drei Gesellschaftern eine eigene Firma für Industrie- und Kesselreinigung. Wir fingen bei null an. Es erforderte viel Mühe und Beharrlichkeit, bis wir ständig Arbeit hatten. Wir konnten jedoch beweisen, dass wir jeden Auftrag zuverlässig und qualitätsgerecht erfüllten.

Die Schwierigkeit der neuen Zeit: Nichts blieb, wie es war. Die Betriebswirtschaft, die Technologie, die Reinigungsmittel, die Gesetze. Alles hatte sich geändert! In den alten Bundesländern bedeutete Gebäudereinigung: mit entsprechender Chemie Beschichtungen lösen, absaugen, neutralisieren, eine neue Beschichtung auftragen. Bei uns war es anders. Unser Wischwachs hatte über Jahre robuste Schichten aufgebaut, die oft nur mit dem Spachtel zu entfernen waren.

Wir lernten jedoch schnell. 1993 schloss ich den Lehrgang zum Gebäudereinigungsmeister bei der Handwerkskammer Cottbus ab, mein Mann seine Schulung zum Desinfektor. Wir lernten gemeinsam, mit dem Wettbewerb umzugehen. Später fiel es uns leicht, schwierige Situationen zu meistern. Wir waren stark, weil wir wussten: Es geht nicht immer alles reibungslos nach Schema F. Nein, wir mussten jeweils aufs Neue eigene Lösungen finden! Dieses Wissen trieb uns an, mit unseren Kunden partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Von Beginn an nahm ich mir vor: „Ich will kein Leistungsverzeichnis-Erfüller sein, sondern Herausforderungen annehmen.“