Gäste genießen den Blick auf Lübbenau gern von oben: Von der Dachterrasse des Spreewaldhauses, das einst als Arbeiterwohnunterkunft für Kraftwerkstechniker diente. Heute ist es Symbol für einen erfolgreichen Stadtumbau. Mit Investitionen von 3,1 Millionen Euro hat die WIS 2006 die 115 Einraumwohnungen des 60er-Jahre-Hochhauses zu 42 barrierefreien Zwei- und Dreizimmerwohnungen umgebaut. Alle Wohnungen sind vermietet. Wie WIS-Geschäftsführer Michael Jakobs berichtet, überwiegend an Senioren, die den Concierge-Service zu schätzen wissen. Die Service-Mitarbeiter der WIS-Tochter Spreewelten GmbH übernehmen hier nicht nur Pförtnerdienste. Sie organisieren Ausflüge, erledigen Schreibarbeiten für die Mieter und vermitteln Fensterputzer, Maler oder Reparaturservice.

„Das ist ein Service, der im Übrigen allen Bürgern offen steht. Dafür haben wir 2005 das Spreewiesel-Center eröffnet“ , erzählt Jakobs.
Mehr als 5000 Aufträge hätten die sechs Mitarbeiter und zwei Azubis seitdem „zur Zufriedenheit unserer Mieter“ ausgeführt. Dabei können sie auf 100 Kooperationspartner von der Ich-AG bis zum Handwerksbetrieb zurückgreifen, berichtet der WIS-Chef, der zugleich Geschäftsführer der Spreewelten GmbH ist, zu der das Spreewiesel-Center gehört. „Wir testen unsere Partner vorab, und achten darauf, dass unseren Kunden durch die Vermittlung keine Mehrkosten entstehen.“ Diese Umsicht ist typisch für die Mitarbeiter der WIS und deren Tochterunternehmen. Sie haben sich das Motto „Wohnen ist das Gefühl zu Hause zu sein“ auf die Fahnen geschrieben und sogar in großen grünen Lettern auf den Giebel eines 2002 zum seniorenfreundlichen Wohnen umgestalteten Plattenbaus. „Damals hatten wir beschlossen, jedem Abriss sofort eine aufbauende Aktion folgen zu lassen, beispielsweise zurückbleibende öde Flächen zu begrünen“ , schildert Jakobs, der das Unternehmen seit Oktober 1998 leitet. So seien Biotope wie der Ententeich entstanden oder die Spreewiesen – eine Grünanlage mit Wasserlauf und Duftbeeten in der Lübbenauer Neustadt.
Jakobs bricht gern eine Lanze für eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Stadtumbau. „In Lübbenau funktioniert das“ , sagt er. „Mehr noch, es macht richtig Spaß. Weil sich alle Beteiligten sachlich orientiert einbringen und wirklich etwas bewegen wollen für die Menschen hier. Das ist ein wunderbares Umfeld“ , schwärmt der gebürtige Berliner, der heute eine feste Institution in der Stadt ist. Der 43-Jährige leitet die Arbeitsgruppe Städtebau, ist im Ko-operationsprojekt „Lübbenaubrücke“ aktiv und spielt in der Seniorenmannschaft der TSG Lübbenau Fußball. „Da bleibt man auf dem Teppich und im Team. Das gibt Kraft.“
Die WIS-Mieter profitieren davon. Ihre Quartiere werden schöner, das Zusammenleben bereichert. Ein Plattenbau mit Niedrigenergiehausstandard, Sonnenkollektoren an Giebelwänden oder mitdenkende Heizungssteuerungssysteme helfen beim Energiesparen. Maisonettewohnungen oder Reihenhäuser und Villen – entstanden aus Plattenbauten – bieten die Möglichkeit, Wohnträume zu verwirklichen. Auch die Mieten sind recht unterschiedlich: Wer etwa in der vierten Etage ohne Fahrstuhl wohnt, kann bei entsprechender Lage eine Nettokaltmiete von weniger als 3,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erreichen, statt der im sanierten Bestand üblichen vier bis 4,80 Euro. Sicherlich habe Manches verrückt angemutet, gibt Jakobs zu. „Aber angesichts der enormen Abwanderung hatten wir keine Wahl. Wir haben mit dem Rücken zur Wand gestanden. Das war Antrieb, etwas ganz Besonderes zu machen, um die Leute zum Bleiben einzuladen.“ Heute seien 75 Prozent des WIS-Wohnungsbestandes umgebaut und saniert. „In sanierten Bereich haben wir heute eine Leerstandsquote von 2,7 Prozent.“ Bezogen auf den gesamten Bestand sei sie von 28 auf knapp 14 Prozent gesunken.

Reisecenter, Pension, Bad
„Wir machen nichts, was nicht wirtschaftlich ist“ , betont Jakobs. Das treffe auf den Erwerb und die Umgestaltung des alten Bahnhofs genauso zu wie auf den Einstieg ins ehemalige Kristallbad. Seit Mai dieses Jahres ist die WIS-Tochter Spreewelten GmbH Betreiberin des nun in „Spreewelten Sauna- und Badeparadies Lübbenau“ umbenannten Bades. „Die Stadt hat uns zugesichert, dass uns keine negativen wirtschaftlichen Folgen entstehen.“ Aus Jakobs’ Sicht ist das Risiko damit überschaubar. Die Spreewelten GmbH will, wie er betont, den Betrieb dauerhaft fortführen und plant bereits die Erweiterung der Saunalandschaft. „Die Bäder-Konkurrenz im Umfeld ist groß, da müssen wir uns etwas einfallen lassen“ , sagt Jakobs. Und darin hat „sein Team“ Übung.


Unternehmen als Stadtgestalter
Die WIS beschäftigt 50 Mitarbeiter, darunter 14 Lehrlinge. Hinzu kommen in der Tochtergesellschaft Spreewelten GmbH acht Beschäftigte, die die Spreewiesel-Dienstleistungen organisieren. Sie übernehmen Concierge-Dienste im Spreewald-Haus, betreiben das Reisezentrum und die Spreewelten-Pension im umgestalteten Bahnhof. Im Spreewelten Sauna- und Badeparadies sind circa 50 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Zuge des Stadtumbaus sollen in Lübbenau bis 2009 knapp 1400 Wohnungen abgerissen sein. Davon hat die WIS bislang bereits knapp 900 Wohnungen vom Markt genommen. Bis 2009 wird sich die Zahl auf 1300 erhöhen. Dann verwaltet das Unternehmen noch 3800 Wohnungen, bleibt aber größter Vermieter der Stadt. Mehr als die Hälfte der 16 000 Lübbenauer wohnen bei der WIS.