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Wirtschaft
Deutschland ist Müll-Europameister

Berlin. 222 Kilogramm an Verpackungen wirft jeder Bundesbürger im Jahr weg. Hagen Strauß

Es ist ein zweifelhafter Titel: Die Bundesbürger sind beim Abfall mal wieder Europameister. Statistisch gesehen hat laut Bundesumweltministerium jeder Einwohner im Jahr 2015 so viel Verpackungsmüll in die Tonne geworfen wie noch nie: 222,2 Kilogramm, das sind 2,7 Kilo mehr als noch ein Jahr zuvor. In keinem anderen Land der Europäischen Union wird mehr entsorgt.

Das geht aus einer der RUNDSCHAU vorliegenden Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Nach den aktuell verfügbaren Daten fielen demnach in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt über 18,1 Millionen Tonnen Müll aus Plastik, Aluminium oder Kartons an. 2014 waren es noch 17,7 Millionen Tonnen. Damit liegt die Republik, freilich das bevölkerungsreichste EU-Land, einsam an der europäischen Spitze.

Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 12,4 Millionen Tonnen, vor Italien mit 12,3 und Großbritannien mit 11,4 Millionen Tonnen. Hingegen haben die Bürger in Spanien nur 7,4, die in Polen fünf und die in den Niederlanden 2,4 Millionen Tonnen weggeworfen. In Griechenland waren es lediglich 742 000 Tonnen. Fazit der Regierung: Bei der Pro-Kopf-Quote „fallen in Deutschland die meisten Verpackungsabfälle pro Einwohner an“. Zur Wahrheit gehört freilich: Der Anteil der Verbraucher bei den Verpackungsabfällen betrug lediglich 46,6 Prozent. Der große Teil von 53,4 Prozent entfällt auf Industrie und Gewerbe.

Seit Jahren nimmt der Verpackungsmüll stetig zu. Warum, zeigt ein Blick in die Supermärkte: kaum ein Produkt, das ohne Plastikverpackung auskommt, selbst Gemüse ist zum Teil von Folie oder Schaumstoff umhüllt. Gleichwohl hofft das Ministerium jetzt auf eine Trendwende. In der Antwort heißt es, vom neuen Verpackungsgesetz würden „weitere Impulse nicht nur zu einem noch konsequenteren Recycling, sondern auch zur Vermeidung von Verpackungsabfällen ausgehen“.

Die Grünen glauben freilich nicht an einen Rückgang beim Müllaufkommen. „Die wachsenden Abfallberge offenbaren, dass der Bundesregierung Mumm und Sensibilität für eine ambitionierte Abfallpolitik fehlt“, so Fraktionschef Anton Hofreiter zur RUNDSCHAU.