Das im Konkurrenzkampf gegen den US-Rivalen Boeing wichtige Langstreckenflugzeug A350 will Gallois trotz der angespannten Finanzlage bauen: Airbus müsse die ganze Bandbreite von Flugzeugen anbieten, um konkurrenzfähig zu bleiben, betonte er. Flugzeuge mit 200 bis 300 Sitzen machten 40 Prozent des Marktes aus.

Frage des Standortes klären
Gallois kündigte an, den von seinem am Montag zurückgetretenen Vorgänger Christian Streiff ausgearbeitenen Sparplan "sofort" umzusetzen. Dies werde zu "strukturellen Stellenstreichungen" führen und bedeute auch, dass sich Airbus "die Frage der Standorte stellt". Dabei wolle er auf eine ausgewogene Beteiligung der Werke an den Kostensenkungen achten. "Wir dürfen nicht alles von einem Land und nichts von dem anderen verlangen", sagte der langjährige Chef der französischen Staatsbahn SNCF.
Nach Informationen der französischen Zeitung "La Tribune" denkt die Airbus-Führung über den Abbau von fast 10 000 Stellen nach. Der Abbau solle in den nächsten Jahren stattfinden und ohne Entlassungen geschehen, hieß es gestern in einem Bericht der Internetausgabe der Zeitung, der sich auf eine dem Unternehmen nahe stehende Quelle beruft.
Die Frage der Verteilung der Einsparungen auf die Werke Hamburg und Toulouse dürfte auch Thema beim Gipfel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac morgen in Paris sein. Streiffs Sparplan soll ab 2010 die Kosten bei dem Flugzeugbauer um "mindestens" zwei Milliarden Euro pro Jahr senken. Zugleich sollen die Entwicklungszeiten für neue Maschinen um zwei Jahre gesenkt werden.
Den Start des A-350-Programms werde er im EADS-Verwaltungsrat vertreten, sagte Gallois. Dieser werde sich "in den kommenden Wochen" dazu äußern. Woher das Geld für das Projekt kommen soll, ist noch offen. "Wir müssen neun bis zehn Milliarden Euro und Ingenieurressourcen finden", sagte Gallois.
Die EADS-Aktie legte am gestern Nachmittag um 4,5 Prozent auf 21,06 Euro zu. Analysten verwiesen darauf, dass Gallois nun die Airbus-Führung und den Posten des Ko-Chefs bei EADS in sich vereine. Der Pariser Finanzdienstleister Ixis Securities betonte, damit sei die Konzernstruktur vereinfacht worden. Entscheidungen könnten leichter getroffen werden.

KfW könnte bei EADS einsteigen
In Deutschland rissen unterdessen die Spekulationen über einen Einstieg der Staatsbank KfW bei EADS nicht ab, mit dem die Bundesregierung den deutschen Einfluss bei dem Konzern zu erhalten versuchen könnte. Wie "Handelsblatt" und Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten berichteten, soll die staatliche Beteiligung an dem Konzern so ausgestaltet werden, dass die KfW dafür keine Aktien der Post oder Telekom verkaufen müsse. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bestätigte lediglich, die KfW sei beauftragt, ein Modell für einen zeitlich befristeten Kauf von EADS-Aktien zu entwickeln. (AFP/sh)