Bayer-Chef Marijn Dekkers hat seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender des Leverkusener Traditionskonzerns 2010 mit einem Paukenschlag begonnen. Nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt kündigte er im November 2010 den Abbau von 4500 Stellen beim Chemie- und Pharmakonzern an. Sein Ziel: mehr Innovation, weniger Verwaltung.

Einen Großteil der eingesparten Gelder wollte der Konzernchef verwenden, um in den wachstumsstarken Schwellenländern wie China zu expandieren. Ein Jahr später sieht sich der niederländisch-amerikanische Manager voll auf Kurs. Bei der Einweihung einer neuen riesigen Kunststoffproduktion am Mittwoch in Schanghai sagte er in der chinesischen Metropole: „Ich denke, dass wir diesen Zielen ein gutes Stück näher gekommen sind.“ Das gilt für Innovationen: Hier konnte der Konzern zuletzt vor allem bei seinem wichtigsten Hoffnungsträger in der Pharma-Pipeline einen Durchbruch erzielen, als die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA dem Schlaganfallmittel Xarelto die Zulassung erteilte. Noch in diesem Jahr werde die EU folgen. Das ist wichtig. Denn der Konzern traut dem Präparat ein Umsatzvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro zu.

Doch noch bedeutender sind wohl die Fortschritte von Bayer in den Schwellenländern Asiens, vor allem in China. Schon heute macht der Konzern ein Fünftel seines Umsatzes in der Region. Bis zum Jahr 2015 will der Konzern seine Umsätze dort noch einmal um mehr als 60 Prozent auf deutlich mehr als elf Milliarden Euro steigern.

Die deutschen Beschäftigten dürften die Erfolge des Konzerns im Reich der Mitte allerdings mit gemischten Gefühlen sehen. Wird doch die Expansion in China auch mit Mitteln finanziert, die in Deutschland eingespart wurden. Dekkers sieht in dem stürmischen Wachstum der Schwellenländer auch eine Herausforderung für den Standort Deutschland. Angesichts der Dynamik in China bestehe in der Bundesrepublik „die Notwendigkeit, die eigenen wirtschaftlichen Potenziale zu nutzen, statt nur noch auf die Vermeidung kleinster Risiken zu pochen“.

Auf die Frage, wer sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr verändert habe, Bayer oder der Bayer-Chef, sagte Dekkers: „Ich glaube ich. Wenn ich ehrlich bin.“ Als Topmanager in Amerika habe er vor allem die Interessen der Aktionäre im Auge haben müssen, in Deutschland müsse er auch die Interessen der Mitarbeiter, der Kunden und der Kommunen berücksichtigen. Da habe er sich anpassen müssen. Dann fügt er noch hinzu: „Ich finde das deutsche System besser. Es ist ausgewogener. Darum bin ich auch hier.“