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| 01:35 Uhr

Neue, schnelle Straße durch die Lausitz gefordert

Cottbus. Die Bundesstraße 87 muss wieder ins Blaue Netz der bedeutenden Verkehrstrassen des Landes Brandenburg aufgenommen werden. Nach einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus wird sich das Verkehrsaufkommen auf der B 87 zwischen Leipzig, dem Elbe-Elster-Land, Südbrandenburg und Frankfurt (Oder) bis zum Jahre 2025 mehr als verdoppeln. „Die B 87 muss Priorität bekommen“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. Von Christian Taubert

Bei der Vorstellung der gut 50 000 Euro teuren Analyse der Verkehrsstrompotenziale für diese transeuropäische Magistrale, die Südeuropa über Sachsen und Südbrandenburg mit Osteuropa verbindet, zog Krüger mit der Landespolitik scharf ins Gericht. “Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass Potsdam mit dem Rücken zu den Landesgrenzen steht und auf den Berliner Speckgürtel blickt„, erläutert Krüger. Brandenburg habe 2001 diese Bundesstraße aus dem Blauen Netz gestrichen, womit finanzielle Forderungen zum Ausbau der Trasse gegenüber dem Bund keine Chance mehr hatten. “Das muss sich schnell ändern„, betont Krüger.

Die Studie, die von Anrainerkommunen wie Lübben und Herzberg sowie der Energieregion Lausitz mitfinanziert wurde, verweist darauf, dass bei einem vierspurigen Ausbau die Anzahl der Fahrzeuge pro Tag von heute 8000 auf bis zu 29 000 steigen würde. Bei einer neuen Autobahn A 16 auf diesem Abschnitt werden bis zu 40 000 Fahrzeuge prognostiziert. Hinzu komme, dass sich die Reisezeit zwischen Leipzig und Frankfurt (Oder) um eine Stunde verkürzen würde. Zwischen den Städten in der Region, was für örtliche Unternehmen wesentlich sei, ergebe sich immer noch eine Zeiteinsparung von durchschnittlich 15 Prozent.

Die Studie macht aber auch deutlich, dass die B 87 eine Alternativroute zu den staugefährdeten A 12 und dem Berliner Ring werden könnte. Sie habe das Potenzial, eine Verbindungsfunktion zwischen Nordost- und Südwesteuropa im europäischen Verkehrsnetz wahrzunehmen. Zudem würde sie einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung der regionalen Wachstumskerne Westlausitz, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt leisten.

“Wir haben jetzt Fakten vorgelegt, auf deren Basis politische Entscheidungen getroffen werden müssen„, resümiert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Und er zitiert ein weiteres Ergebnis der Studie, wonach die Verkehrsdichte auf der bestehenden B 87-Trasse bis 2025 um bis zu 50 Prozent zunehmen würde - auch wenn sie nicht angefasst werden würde. Für die Städte Lübben und Herzberg, durch die die B 87 führt, wäre dies der Kollaps.

“Wir brauchen keinen Ausbau dieser Bundesstraße in der Stadt„, sagt der Lübbener Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU). “Uns hilft nur eine Ortsumfahrung. Und die muss schnell kommen.„

Ursprünglich hatte Ex-Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) den Spreewaldstädtern einen innerstädtischen Ausbau der Straße in Aussicht gestellt. Damit allerdings wäre nicht das Problem beseitigt worden, dass die Bogenbrücke in der Stadt die einzige Spree-Überquerung im 50-km-Umkreis ist.

Der Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises Stephan Loge (SPD), der auf die einheitliche Auffassung der vier Südbrandenburger Landkreise und der Stadt Cottbus in der B 87-Frage verweist, ist sich sicher: “Kommunal- und Wirtschaftspolitik waren sich selten so einig.„ Darauf müsse Potsdam reagieren.

Immerhin gehe es um 670 000 Menschen, die entlang der Trasse leben. Sie dürften trotz ihrer Lage nicht von der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt werden.

Zum Thema:

Aufnahme der B 87 ins Blaue Netz der bedeutsamen Straßen im Land und vierstreifiger bzw. dreistreifiger (2 + 1) Ausbau der Bundesstraße.Schneller Abschluss der Planverfahren für die Ortsumgehungen Lübben und Herzberg, damit sie bis spätestens 2020 fertiggestellt sein können.Es müssen unter Verkehrslast Pkw-Fahrgeschwindigkeiten von mindestens 80 bis 100 km/h garantiert werden. Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durch das Land, um optimale Linienführungen und Straßenquerschnitte festzule gen.