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| 01:54 Uhr

Neue Anlage in Schwarze Pumpe

Schwarze Pumpe. Erstmals seit Jahren wird in Schwarze Pumpe wieder Strom aus Synthesegas erzeugt. Die Blue Planet Bio-Energy Deutschland GmbH fährt gegenwärtig einen neu errichteten Holzvergaser hoch. Von der niederländischen Muttergesellschaft Blue Planet wurden rund fünf Millionen Euro investiert. Von Rolf Bartonek

Im kommenden Jahr will Blue Planet eine ähnlich große Summe für einen weiteren Vergaser samt Folgetechnik bereitstellen und die Mitarbeiterzahl von 13 auf 18 erhöhen, wie Betriebsleiter Karl-Heinz Petrick der RUNDSCHAU berichtet.

Sein Team knüpft an eine viele Jahrzehnte zurückreichende Tradition an, die auf diesem Lausitzer Industriestandort mit der Kohlevergasung durch das einstige Kombinat Schwarze Pumpe begann und die nach 1990 unter verschiedenen Eigentümern in ein aus ökologischer Sicht hoch eingeschätztes, letztlich aber wirtschaftlich gescheitertes Recyclingverfahren mündete, mit dem aus der Müll- und Abfallvergasung Strom und Methanol entstanden.

Auch heute ist der Gedanke, den Prozess wieder bis hin zur Methanolerzeugung zu erweitern, Bestandteil der Pläne. Dennoch handele es sich nicht um ein Wiederaufleben einer alten Technologie, sondern um etwas völlig Neues, betont Petrick. Das hat mit der strategischen Ausrichtung der Investoren zu tun, die nicht auf Großanlagen setzen, sondern auf kleine kompakte Vergaser. Entwickelt wurden sie von der amerikanischen Firma Zero-Point Clean Tec aus Potsdam (US-Bundesstaat New York).

Blue Planet ist an diesem Unternehmen beteiligt. Laut Petrick verfolgen die Investoren das Ziel, solche Vergaser weltweit für eine ökologische dezentrale Energieerzeugung zu errichten; vornehmlich dort, wo Holz reichlich vorhanden ist und günstig bezogen werden kann.

In Schwarze Pumpe trifft dies nur bedingt zu, denn das Holz wird aus Osteuropa per Bahn antransportiert. Der Standort besitzt jedoch andere Vorteile. Es gibt genügend qualifiziertes Personal, um den weltweit ersten kompakten Zero-Point-Vergaser als Referenzanlage im Dauerbetrieb zu fahren. Außerdem lässt sich nur hier die technologische Kette, sofern sich das als wirtschaftlich machbar erweist, bis zur Methanolproduktion ausbauen.

Die dazu erforderlichen Anlagen der Sustec Schwarze Pumpe GmbH, die vor fast genau zwei Jahren Insolvenz anmeldete, stehen noch. Sie müssten aber modernisiert werden. Für diesen zweiten Schritt haben die Investoren eine zweite Firma gegründet: die Deutsche Biomethanolfabrik Schwarze Pumpe GmbH. Geschäftsführer beider Schwester-Unternehmen ist der Niederländer Hans Campagne. Von ihm sei ganz wesentlich die Initiative zur Ansiedlung in der Lausitz, zum Kauf von Anlagen und Flächen der insolventen Sustec ausgegangen, sagt Petrick. Nach seinen Worten steht das Genehmigungsverfahren zur Modernisierung der Methanolanlage bei den sächsischen Behörden vor dem Abschluss. Laut Genehmigungsbescheid müsse innerhalb von drei Jahren mit der Ertüchtigung der Anlage begonnen werden.

Über die Realisierung einer Methanolproduktion hätten die Investoren aber noch nicht endgültig entschieden. Käme es zu einer kompletten Neuauflage der einstigen technologischen Kette, bei der aus Synthesegas sowohl Strom als auch Methanol erzeugt werden, hätte dies etwa 80 Arbeitsplätze zur Folge.

Auf jeden Fall rekonstruiert werden sollen die alten Dampferzeuger. In diesen Anlagen werden überschüssiges Synthesegas sowie verschiedene in den Vergasern als Begleitprodukte anfallende andere Gase verbrannt. Mit der dabei entstehenden Hitze wird Dampf gewonnen, der eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt.

Der neue amerikanische Vergaser verfügt über eine Durchsatz-Kapazität von einer Tonne Holz pro Stunde. Auf das Jahr bezogen sind das 8000 Tonnen Holz. Die Vergaser sind keine „Allesfresser“ mehr, was sie zu Zeiten der Verwertung von Müll sowie anderen festen und flüssigen Reststoffen in Schwarze Pumpe anderthalb Jahrzehnte lang sein sollten.

Blue Planet setzt auf Holz, das in Stammform angeliefert und vor dem Vergasen zerkleinert wird. Petrick kann sich vorstellen, es später, wenn die neue Anlage stabil läuft, auch mit Strohpellets und getrocknetem Harnstoff aus Ställen in Form von Granulat zu versuchen. Für die Vergasungstechnologie in Schwarze Pumpe ist es ein neuer Anlauf, das zu erreichen, was seit 1990 nicht gelang: eine gewinnbringende Pro duktion.

Zum Thema:

Zum ThemaIm Jahr 2006 wurden von Sustec in Schwarze Pumpe 200 000 Tonnen feste Abfälle (Müll, Kunststoffe) und 50 000 Tonnen flüssige Rückstände (Öle, Glyzerin, Farb- und Lackschlämme) vergast. Aus dem gewonnenen Synthesegas entstanden Strom sowie 80 000 Tonnen Methanol. Noch Anfang 2007 verkündete die Schweizer Sustec AG Erweiterungspläne für Schwarze Pumpe mit dem Kern einer Kohlevergasung. Das Unternehmen hatte auf Vattenfall als Kohlelieferanten gesetzt. Es kam jedoch kein Liefervertrag zustande. Da die Abfallvergasung nie profitabel lief, begann Sustec im Frühsommer 2007 mit der Stilllegung und dem Verkauf seiner Anlagen. rbt1