Die Nasdaq stieg überraschend mit knapp 15 Prozent bei der Londoner Börse LSE ein, um die vor einiger Zeit auch die Deutsche Börse geworben hatte. Die Amerikaner hatten bereits im März versucht, die LSE zu übernehmen, die Offerte dann aber zurückgezogen.
Einen Kommentar zu dem am Dienstagabend verkündeten Nasdaq-Vorstoß wollte keine der europäischen Börsen abgeben. Aus Sicht von Analysten stehen die Europäer nun aber unter Zugzwang. Die Beteiligung an der LSE seit ein sehr cleverer Schachzug von der Nasdaq, denn damit sei das Übernahmeziel LSE für andere Interessenten nicht mehr erreichbar, hieß es gestern an der Frankfurter Börse.

Übernahme durch Hintertür
Marktbeobachter halten weitere Anteilszukäufe der Nasdaq und damit mittelfristig eine feindliche Übernahme der LSE durch die Hintertür durchaus für möglich. Für die Vierländerbörse Euronext und die Deutsche Börse erhöhe sich nun der Druck zu einer Fusion, auch wenn die Verhandlungen sehr zäh und schwierig bleiben dürften. Der Chef der New Yorker Börse Nyse, John Thain, dürfte ebenfalls unter Zugzwang geraten. Er hatte kürzlich angekündigt, eine Führungsrolle bei der Konsolidierung der europäischen Börsen spielen zu wollen.
Die Nasdaq hatte mitgeteilt, für das 15-Prozent-LSE-Paket (38,1 Millionen Aktien) 447,7 Millionen Pfund (rund 644 Millionen Euro) gezahlt zu haben. Branchenkenner äußerten sich kritisch. Der Preis von 11,70 Pfund je Aktie sei sehr hoch. Der Preis liegt zudem deutlich über dem später zurückgezogenen Angebot vom März, als die Nasdaq für die komplette Übernahme 9,50 Pfund je Aktie zahlen wollte.

Nasdaq nun größter Aktionär
Die Nasdaq kaufte den Großteil der LSE-Aktien, 35 Millionen Stück, vom Finanzinvestor Threadneedle Asset Management. Dieser hält nun weniger als ein Prozent an der London Stock Exchange. Größter Aktionär der Londoner Börse nach der Nasdaq ist die Schweizer Großbank UBS mit 7,8 Prozent. Der Vermögensverwalter Scottish Widows besitzt rund sieben Prozent. Ebenfalls größere Anteile werden von Lloyds und Barclays gehalten.
Vor der Nasdaq hatten sich 2005 bereits die Deutsche Börse sowie die Börse Euronext vergeblich um die LSE bemüht. Auch die australische Macquarie Bank hatte einen Vorstoß gewagt, sich aber im Februar zurückgezogen. (dpa/rb)