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Namenlose Magistrale kommt in kleinen Schritten

In die Bahnlinie Knappenrode – Horka – Landesgrenze Polen kommt Bewegung. Nach RUNDSCHAU-Informationen wollen nun Bund, Europäische Union und Deutsche Bahn rund 300 Millionen Euro in die Hand nehmen und den Ausbau dieses Streckenabschnitts beginnen. Allerdings taucht der Name Niederschlesien-Magistrale bei der Deutschen Bahn nicht mehr auf. Von Harry Müller

Nach den Worten von Hans-Georg Zimmermann, Netzsprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt/Main, soll es "definitiv 2009" mit den ersten Baumaßnahmen auf diesem 53 Kilometer langen Streckenabschnitt in der Lausitz losgehen. Der sächsische Bahnchef Hans-Jürgen Lücking bestätigt, dass die Planungen bereits im Gange sind. Sie sollen demnächst ausgelegt und mit den Anliegerkommunen besprochen werden, heißt es bei der DB Projekt-Bau in Sachsen.
Auch das sächsische Wirtschaftsministerium, das harte Kritik an der schleppenden Investitionspolitik der Deutschen Bahn geübt hatte, sieht die Sache "heute vorsichtig optimistisch". Verkehrsminister Thomas Jurk (SPD) erklärt gegenüber der RUNDSCHAU: "Ich hoffe auf eine nunmehr zügige Realisierung. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan weist höchste Wirtschaftlichkeit für diese Strecke aus." Jurk spricht gleichzeitig einen noch strittigen Punkt an. "Wenn die Strecke in Polen für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde ausgebaut wird, müssen wir dies auch auf deutscher Seite tun." Die laufenden Gespräche lassen erwarten, dass die Deutsche Bahn ihr Vorhaben aufgibt, die Strecke nur für Tempo 120 auszubauen, heißt es aus Dresden.
Mit der Investitionssumme von rund 300 Millionen Euro sollen laut DB-Netz zwei Baustufen finanziert werden. Bei der ersten geht es um den zweigleisigen Ausbau zwischen Knappenrode und Niesky, bei der zweiten um Gleisbau und Elektrifizierung zwischen Niesky und der polnischen Grenze. "Vielleicht können auch Arbeiten aus der zweiten Stufe in die erste vorgezogen werden", sagt Zimmermann, was den Fertigstellungstermin 2013 etwas nach vorn rücken würde.
Der Ausbau dauert relativ lange, weil wegen der starken Nachfrage keine Sperrung der Strecke während der Bauarbeiten möglich ist. Gegenwärtig rollen über Horka täglich etwa 26 Güterzüge nach Deutschland und ebenso viele nach Polen. Mit steigender Tendenz, sagt DB-Konzernbevollmächtigter Lücking. Ziele der Züge sind unter anderem Berlin, Hamburg, Bremerhafen, Duisburg, Dortmund, Maastricht und in der anderen Richtung Bahnhöfe in der Ukraine, Russland, Ungarn oder der Slowakei.

Alter Projektname verschwunden
Bei der Bahn benutzt für diesen europäischen Güterverkehrskorridor allerdings niemand mehr den Namen Niederschlesien-Magistrale. Er galt bislang als offizielle Bezeichnung bei der DB Projektbau und auch im Bundesverkehrswegeplan für den Ausbau der gesamten rund 480 Kilometer langen Strecke bis in die alten Bundesländer. Ob das ein Indiz dafür ist, dass sich das Gesamtprojekt mit geplanten Investitionen von über einer Milliarde Euro erledigt hat, beantwortet bei der Bahn zurzeit niemand.
Der Netzverantwortliche für die Südostregion, Lutz Winkler, lässt durchblicken, dass die Mittel praktisch nur zum Erhalt des laufenden Fahrbetriebs reichen. Das bedeute für die meisten Abschnitte auf der einst als Niederschlesische Magistrale gepriesenen Strecke gerade einmal Tempo 100 oder 120.

Nur Minimal-Maßnahmen
Um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, aber auch für Künftiges gewappnet zu sein, wird am Kreuzungsbauwerk für die beiden Strecken Cottbus - Görlitz und Landesgrenze Polen - Hoyerswerda auf dem Bahnhof Horka kräftig gearbeitet. Sieben Millionen Euro kostet die Eisenbahnbrücke, die im Mai 2008 fertig sein soll. Am Kreuzungsbauwerk in Falkenberg/Elster mit seinen Gleis- und Straßenanschlüssen sind die Arbeiten ebenfalls voll im Gange. 20 Millionen Euro sind veranschlagt. Termin der Fertigstellung ist Anfang 2009, sagt Bahnsprecher Zimmermann. Schließlich werden von Juni bis September 5,3 Kilometer Gleis zwischen Lauchhammer und Elsterwerda-Biehla erneuert.
Das alles sind Minimal-Maßnahmen. Sie reichen nach Einschätzung von Verkehrsexperten nicht aus für einen stark wachsenden Güterverkehr durch Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Möglicherweise aber solle all dies auch dem Zweck dienen, dem Bund die Pistole auf die Brust zu setzen und so die ursprünglich geplanten Investitionen für eine wirkliche Güterautobahn locker zu machen, heißt es. An die beteiligten Länder könnte die Botschaft lauten: Wenn ihr die Magistrale haben wollt, dann macht euch dafür stark.