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Tarifkonflikt der IG Metall
Nachtschichtarbeiter in zahlreichen NRW-Betrieben streiken

Nächtliche Streikposten vor dem Werkstor von Geberit in Langenfeld.
Nächtliche Streikposten vor dem Werkstor von Geberit in Langenfeld. FOTO: dpa, fg cul
Mit Beginn der Nachtschicht hat die IG Metall am Abend auch in Nordrhein-Westfalen erstmals ganztägige Warnstreiks gestartet. Zunächst streikten acht Betriebe, später sollten sich Mitarbeiter von 30 Firmen beteiligen.

In Lippstadt legten zunächst rund 200 Beschäftigte der Nachtschicht beim Wälzlager-Hersteller Thyssenkrupp Rothe Erde die Arbeit nieder. Im Laufe des Tages sollen sich allein bei der Thyssenkrupp-Tochter bis zu 1000 Beschäftigte beteiligen.

Insgesamt hatte die Gewerkschaft nahezu zeitgleich am späten Abend gegen 22 Uhr in mehreren Betrieben dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. "Acht Betriebe haben den Streik mit Start der Nachtschicht begonnen", sagte der Gewerkschafter. Bis zum Beginn der Frühschicht um 6 Uhr sollen sich Beschäftigte aus 30 Unternehmen aus ganz NRW an den Warnstreiks beteiligen. Aktionen waren unter anderem im Hochsauerlandkreis, in Ostwestfalen, im Münsterland sowie im Rheinland und im Ruhrgebiet geplant.

Die regional geführten Tarifverhandlungen waren zuvor am Wochenende in Baden-Württemberg ohne Ergebnis geblieben. Eine für Mittwoch in Düsseldorf geplante Verhandlungsrunde wurde abgesagt. Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten einen Teil-Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang ablehnen.

Die IG Metall will in dieser Woche in NRW mehr als 65.000 Beschäftigte der Branche zu 24-stündigen Warnstreiks aufrufen. Es werde Arbeitsniederlegungen in fast 70 Betrieben in allen Regionen des Landes geben, hatte die Gewerkschaft angekündigt.

Bundesweit 275 Betriebe beteiligt

Auch in Betrieben Baden-Württemberg, Bremen, Bayern soll nach dem Willen der Gewerkschaft die Arbeit für 24 Stunden ruhen. Die IG Metall sprach vor Beginn des Warnstreiks von bis zu 500.000 Beteiligten, die sich über sämtliche Betriebsgrößen, Regionen und Branchen hinweg verteilten.

Bis einschließlich Freitag sollen nach jüngsten Zählungen etwa 275 Betriebe im gesamten Bundesgebiet bestreikt werden, ohne dass zuvor eine Urabstimmung stattgefunden hätte. Die IG Metall hatte nach eigenen Angaben nur die Beschäftigten in den betroffenen Betrieben gefragt und dort jeweils klare Mehrheiten für die Aktionen erhalten. Die Teilnehmer bekommen im Unterschied zu kürzeren Warnstreikaktionen von der Gewerkschaft einen finanziellen Ausgleich für Lohnverluste.

(juju)