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Mühsames Energiesparen der Industrie

Wollen Energie effizienter nutzen: Rainer Gerlach (l.) und Andreas Auerbach.
Wollen Energie effizienter nutzen: Rainer Gerlach (l.) und Andreas Auerbach. FOTO: Wendler
Cottbus. Auf den ersten Blick sieht das Ziel bescheiden aus. 544 Megawattstunden (MWh) Strom und Dampf will die Grupa Azoty ATT Polymers GmbH in Guben (Spree-Neiße) jährlich einsparen. Simone Wendler / sim

Der Gesamtverbrauch des Polymerherstellers liegt jedoch bei mehr als 21 000 MWh Strom und 40 000 MWh Dampf pro Jahr. "Daran gemessen ist die Einsparmenge gering, im Detail ist es jedoch viel", sagt der technische Leiter der Fabrik, Rainer Gerlach.

Das Beispiel des Gubener Polymerherstellers zeigt, wie schwierig es für manche Industriebetriebe ist, ihren Energieverbrauch zu senken. Dabei gehört Grupa Azoty ATT Polymers GmbH in Guben zu den Firmen, die sich dafür sogar externe Hilfe holen. Der Betrieb ist, wie auch die Ortrander Eisenhütte GmbH, Mitglied im Energieeffizienz-Netzwerk der mitteldeutschen Industrie.

Das wurde Anfang 2016 vom regionalen Energieversorger enviaM gegründet. EnviaM betreut in seinem Versorgungsgebiet noch drei weitere derartige Netzwerke: eines für Stadtwerke, eines für Kommunen und eins am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen. 2014 hatte die Bundesregierung beschlossen, dass bis 2020 rund 500 solcher Netzwerke entstehen sollen.

Für den Gubener Polymererzeuger begann die Arbeit im Energieeffizienz-Netzwerk der mitteldeutschen Industrie wie für alle Teilnehmer mit einer Analyse der Unternehmenssituation durch externe Fachleute. Die Besonderheit des Betriebes: 40 Prozent des Stromverbrauches sind allein dafür notwendig, um die Anlagen betriebsbereit zu halten. Der Dampf ist nötig, um den Ausgangsstoff Caprolactam während der Produktion in den Anlagen heiß zu halten. Denn dieser wird mit 70 Grad Celsius angeliefert und wird bei Zimmertemperatur fest.

Ein Ansatz zum Energiesparen sei, so Gerlach, die leichte Absenkung des Druckluftniveaus. Die Druckluft für die Produktionsanlagen wird mit stromgetriebenen Kompressoren erzeugt. Ein weiterer Hebel sei die Steigerung des Dampfanteils, der als Kondensat an den Lieferer enviaM zurückgeschickt werden kann. Dazu müsse der Dampfbedarf besser gesteuert werden. Das Kondensat kann wieder zu Dampf erhitzt oder zu Heizzwecken verwendet werden. Auch das spart Energie.

Ein Mal im Quartal treffen sich Energiefachleute der Netzwerkmitglieder zum Erfahrungsaustausch. "Wir reichern diese Treffen mit Fachvorträgen an", sagt Andreas Auerbach, Vorstand Vertrieb bei enviaM.

Dass die Firmen einen Beitrag für die Netzwerkmitgliedschaft zahlen müssen, begründet Auerbach mit den Kosten, die zum Beispiel für qualifizierte externe Energieberater fällig werden, welche die Arbeit begleiten. Energiedienstleistern wie enviaM helfen solche Dienstleistungen, den Rückgang im klassischen Stromverkaufsgeschäft zu kompensieren.

Das Energieeffizienz-Netzwerk der mitteldeutschen Industrie will bis 2018 insgesamt 150 000 MWh Energie einsparen. Das entspricht nach enviaM-Angaben dem Verbrauch der Stadt Guben. Wie groß der Anteil der ATT Polymers daran sein wird, steht noch nicht fest.

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Der in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt tätige Energieversorger enviaM will 120 öffentlich zugängliche Ladesäulen für Elektroautos errichten. Dafür habe das Unternehmen Fördermittel beantragt, so Vorstand Andreas Auerbach. Im eigenen Fuhrpark soll der E-Auto-Anteil durch 40 neue Fahrzeuge bis Jahresende auf 20 Prozent steigen. Kommunen bietet das Unternehmen an, ein E-Fahrzeug 14 Tage lang kostenlos zu testen. Mehrere Gemeinden und Ämter in Südbrandenburg haben Interesse bekundet. Bei einer deutlich steigenden Zahl von Ladeeinrichtungen, auch auf privaten Grundstücken, so Auerbach, sei eine intelligente Steuerung der Ladezeiten notwendig, damit es nicht zu einer Netzüberlastung kommt. Eine Ladebox mit zeitlicher Wahlmöglichkeit habe sich in einem Forschungsprojekt bewährt. (sim)