Das Amtsgericht Flensburg bestellte den Wirtschaftsprüfer Otto Gellert (73) zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Schmid hält in seinem Vermögen rund 37 Prozent der Mobilcom-Aktien, die zur Besicherung von Krediten an Banken verpfändet sind. Durch den Kursverlust der Mobilcom-Aktie reichen diese Sicherheiten nicht mehr aus.
"Die private Insolvenz berührt nicht die Aktivitäten und Verträge der Mobilcom AG", teilte das Unternehmen gestern mit. Sowohl der Vertrag mit France Télécom als auch der Treuhändervertrag zwischen Schmid und Helmut Thoma blieben unverändert bestehen. Allerdings sei Mobilcom nun verpflichtet, eventuelle Ansprüche gegen Schmid zu prüfen und anzumelden.
Das sehen Schmid und Gellert allerdings anders. "Ich will das Heft des Handelns nicht weiter aus der Hand geben", sagte der Mobilcom-Gründer. Er sieht sich durch den "unter Drohungen erzwungenen" Treuhändervertrag praktisch enteignet. Nun soll Gellert als Sachwalter des Vermögens alle Verträge auf den Prüfstand stellen und eventuell kündigen.
Im Hintergrund des neuerlichen Schmid-Manövers steht die alte Streitfrage, die schon im vergangenen Jahr zum Bruch zwischen Schmid und seinem Partner France Télécom führte und die gesamte Mobilcom-Krise auslöste: Soll Mobilcom ein Netz für den neuen Mobilfunk-Standard UMTS bauen und betreiben oder nur Mobilfunkverträge und Handys anderer Netzbetreiber verkaufen? Aufsichtsrat und Vorstand haben diese Pläne im Januar offiziell beerdigt und suchen nach einem Käufer für die bereits gebauten UMTS-Sendeanlagen und die acht Milliarden Euro teure Lizenz.
"Damit ist Mobilcom aller Zukunftsperspektiven beraubt", klagt Schmid. Er will von seinem Treuhänder Thoma und Aufsichtsratschef Dieter Vogel Schadenersatz fordern, weil sie mit falschen Entscheidungen sein Vermögen geschädigt hätten. (dpa/sm)