Die Börse stellte die Indizes auf Grundlage der beschlossenen Radikalkur des Aktienmarktes zusammen. Unterhalb des Dax kam es dabei zu zahlreichen Änderungen. Ende März startet dann auch der neue TecDax für Technologiewerte.
Über den Rauswurf von MLP aus dem Dax war in den vergangenen Monaten bereits mehrfach spekuliert worden. Der Finanzdienstleister hatte wegen seines schwachen Marktwertes zuletzt die Bedingungen für einen Verbleib im wichtigsten Börsenbarometer nicht erfüllt. Einen Abstieg verhinderte offenbar nur der Mangel an einem geeigneten Nachfolger. Es habe keinen Aufnahmekandidaten gegeben, der "mit Blick auf die Indexkontinuität die nötige Sicherheit für eine Entscheidung" aufgewiesen habe, erklärte die Börse.
Die Entscheidung für den Verbleib von MLP im Dax stieß auf Kritik. "Das spricht nicht für die Qualität des Dax", sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider. Er könne nicht verstehen, warum der Körperpflegespezialist Beiersdorf mit einem weit höheren Handelsumsatz und Börsenwert das Nachsehen hatte. Ein Beiersdorf-Sprecher wertete die Entscheidung als "betrüblich, da unverständlich". Beiersdorf habe alle festgelegten Kriterien erfüllt.

Übernahmegerüchte behindern
Der Nivea-Hersteller Beiersdorf galt als aussichtsreichster Kandidat. Ihn behinderten jedoch offenbar hartnäckige Übernahme-Gerüchte. Auch die Telekom-Tochter T-Online wurde als Aufsteiger gehandelt. Sie wird nun den neuen TecDax anführen.
MLP selbst reagierte gelassen auf den Verbleib im Dax. "Wir wissen, dass wir an der unteren Kante sind", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen. Der Kurs der MLP-Aktie an der Deutschen Börse stürzte gestern dennoch ab, nachdem der Konzern einen Verlust von 114,5 Millionen Euro für das Jahr 2002 bekannt gegeben hatte: Die Aktie notierte gegen Mittag mit 7,31 Euro fast 14 Prozent im Minus.
Wenn am 24. März die neue Indexwelt in die Tat umgesetzt wird, kommt es unterhalb des Dax zu vielen Veränderungen: Dann startet etwa der neue TecDax, in dem die 30 größten Technologiewerte vertreten sein werden. Er wird den Nemax 50 als Leitindex ablösen. Der Nemax wird aber noch bis Ende 2004 berechnet, damit die Kontinuität bei auf ihn lautenden Produkten wie Indexfonds gewährleistet ist. TecDax und Nemax50 sind dann in den ersten 30 Titeln deckungsgleich.
An der Spitze des TecDax steht neben dem Internet-Dienstleister T-Online der Bauelemente-Hersteller Epcos. Der zuletzt in Verruf geratene Neue Markt wird im Rahmen dieser Neuordnung geschlossen.

Erstmals ausländische Firmen
Auch der MDax wird künftig ein anderes Gesicht erhalten: Dort werden erstmals ausländische Unternehmen vertreten sein, darunter der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, die irische Depfa plc, das niederländische Unternehmen Teleplan sowie die Luxemburger Thiel Logistik. Der Index wird im Zuge der Börsenreform von 70 auf 50 Werte verkleinert.
Im SDax, in dem die nächsten 50 Werte kleiner und mittlerer Firmen unterhalb des MDax vertreten sein werden, sind ab dem 24. März gleichfalls ausländische Unternehmen vertreten. Dazu gehören der österreichische Computerbauer Gericom, die Schweizer Highlight Communications und das US-Unternehmen Sauer-Danfoss.
In die Indizes Dax, MDax, SDax und TecDax werden nur Unternehmen aufgenommen, die sich für den im Zuge der Börsenreform geschaffenen Prime Standard qualifiziert haben. Dieser verpflichtet im Gegensatz zum daneben bestehenden General Standard etwa zur Abgabe von Quartalsberichten, der Einhaltung von internationalen Bilanzstandards und zu Ad-hoc-Mitteilungen in Deutsch und Englisch.
Mehr als 370 Firmen hatten einen Antrag zur Aufnahme in den Prime Standard gestellt. Wechsel in den wichtigen deutschen Indizes bewegen Milliarden-Beträge, da viele Fonds und Indexzertifikate sich in ihrer Anlagepolitik am Dax orientieren. Nach Schätzung einer US-Investmentbank hängen allein am Dax rund 27 Milliarden Euro. (afp/dpa/maf)