"Solange ich etwas tue, tue ich es richtig", betont Viermetz und verweist als Beleg auf die säuberlich geordneten Papierstapel auf dem Schreibtisch in seinem Münchner Büro. "Die Einschätzung, dass diese Herren das alles von London aus steuern, ist falsch", sagt er an die Adresse jener Anleger um den britischen Hedge-Fonds TCI, die den personellen Neuanfang erzwungen hatten. Gleichwohl gibt sich Viermetz bescheiden: "Wir geben Ratschläge, aber der Vorstand führt das Geschäft."
Der groß gewachsene Herr mit dem strengen Scheitel - "in Ehren ergraut", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" findet - gilt als alter Fuchs. Seine jahrzehntelange Erfahrung in der Finanzbranche, in der es der gelernte Bankkaufmann bis zum Vizechef der US-Großbank J.P Morgan brachte, halten ihm viele zugute. Der spätere Aufsichtsratschef der Hypovereinsbank (HVB) sei "der einzige deutsche Banker, der in Amerika Karriere gemacht hat", sagt ein Weggefährte aus HVB-Zeiten. Dennoch sei Viermetz "ein Investmentbanker vom alten Schlag": "Wenn die Börse wirklich eine Änderung gewollt hätte, hätte sie jemand anderen aussuchen müssen."

Einfluss genutzt
In Gold gerahmte New-York-Ansichten in seinem Münchner Büro, die an vergangene Zeiten erinnern, scheinen die Kritiker zu bestätigen. Doch zumindest die Repräsentanten seiner Heimatstadt Augsburg hat Viermetz bereits überzeugt, dass die alten Seilschaften noch halten. "Er hat seinen Einfluss und seine weltweiten Kontakte zu Gunsten der Stadt genutzt", lobt Kulturbürgermeisterin, Eva Leipprand (Grüne), den Liebhaber klassischer Musik, der sich als Mäzen einen Namen gemacht hat. "Er hat eine große, echte Liebe zu seiner Heimatstadt", sagt Leipprand. Viermetz selbst gibt sich trotz eines Lebenslaufs, der über Paris, London und New York führte, konservativ: "Zuhause fühle ich mich in Bayern, meiner Heimatstadt Augsburg bin ich sehr verbunden."
Verheiratet ist der Bayer seit 1966 mit einer Preußin. An seinen Hochzeitsspruch erinnert er sich noch gut: "Bayern und Preußen in Liebe vereint, davon hat schon mancher Staatsmann geträumt." Ob ihm bei der Deutschen Börse die Vereinigung profitorientierter Anleger mit den Bewahrern der "Deutschland AG" gelingt, bleibt abzuwarten. Mit "spätestens 70" wolle er sich zurückziehen, kündigt Viermetz an. Sein Programm für die nächsten Jahre entnimmt er seiner New Yorker Vergangenheit: "First Class Business in a First Class Way - das erwarte ich auch von der Deutschen Börse."