Auf einem Autoanhänger stehen Apparaturen, es rappelt und dampft, Äpfel werden in einen Bottich geschüttet, und am Ende der Produktionsanlage wird Saft abgefüllt: So sieht es aus, wenn Matthias Konschack mit seiner mobilen Mosterei in Mitteldeutschland unterwegs ist.

Ob das Wetter gut ist oder eher nicht mitspielt, Konschack hat eigentlich immer Kundschaft. „Was hier reinkommt, kommt auch wieder raus“, sagt Manfred Holzschuh. Denn dass er Saft aus seinem Obst bekommt, darauf legt er Wert.

Holzschuh ist einer von zahlreichen Delitzschern und Menschen aus der Umgebung, die ihr Obst zum Kartoffelhof Lienig bringen, wenn Konschack mit seiner mobilen Mosterei vorbeikommt. „Zu DDR-Zeiten gab es in Delitzsch eine Annahmestelle, heute müsste ich bis nach Krostitz“, berichtet er. Mitgebracht hat Holzschuh Äpfel und Birnen aus seinem Kleingarten, die er zusammen verarbeitet haben möchte. „Das ist dann wie Multivitaminsaft.“

Besserer Geschmack

Es ist die Qualität, die die Leute begeistert. „Ich habe bei einem Besuch im Schwarzwald bei einer Mosterei deren Saft probiert, der aber nicht so gut wie der hier war“, erzählt Rudi Hundertpfund, während er wartet. Auch von den Produkten, die er im Supermarkt kaufen könne, sei der bei Konschack gepresste Saft Welten entfernt. „Woanders werden die Äpfel, die man mitbringt, mit dem Obst anderer gemischt, das gibt es hier nicht“, sagt Holzschuh zufrieden. Auch Chemie werde bei der Produktion nicht eingesetzt.

„Um den Saft für ein Jahr haltbar zu machen, reicht es tatsächlich, ihn ein Mal auf 78 Grad zu erhitzen und dadurch zu pasteurisieren“, sagt Konschack. Jeder zusätzliche Eingriff in den Produktionsprozess würde einen Qualitätsverlust bedeuten, ist er sicher. „Deshalb setzen wir auch nur Siebe und keine Filter ein“, unterstreicht er. Denn die im naturtrüben Saft enthaltenen Schwebstoffe würden auch als Geschmacksträger dienen.

Mindestens 50 Kilogramm Obst sollten seine Kunden mitbringen, damit sich die Produktion lohnt, 30 bis 35 Liter Saft lassen sich je nach Sorte daraus herstellen. „Es gibt aber auch Leute, die eine ganze Tonne mitbringen“, berichtet Matthias Konschack. Mit einer seiner beiden großen Pressen kann er bis zu zweieinhalb Tonnen Obst am Tag verarbeiten.

Anlage Marke Eigenbau

Der 44-Jährige hat sich seine mobile Mosterei selbst zusammengestellt. „Alle Komponenten habe ich ausgesucht, den Hänger musste ich extra anfertigen lassen, weil es keinen in der nötigen Höhe fertig zu kaufen gab“, sagt Konschack. Seit fünf Jahren ist er mit der mobilen Mosterei unterwegs, im Petersberger Ortsteil Brachstedt in Sachsen-Anhalt beheimatet fährt er nach Wittenberg, ins thüringische Eichsfeld oder auch bis nach Zittau im sächsischen Erzgebirge.

Christine Kleine ist extra von Naunhof nach Delitzsch gekommen, um bei Konschack Quittensaft pressen zu lassen. „Mein Onkel, der schon länger zur mobilen Mosterei fährt, hat mich darauf gebracht“, erzählt sie. Bislang habe sie die Früchte zu Hause verarbeitet und Quittengelee hergestellt. „Dann habe ich ein Rezept gefunden, wie man das Gelee auch aus Saft machen kann“, sagt sie. Das will sie nun einmal ausprobieren. Vier große Eimer und Körbe voll Quitten hat sie mitgebracht und ist nach eigenen Worten „ganz stolz, wie viel rausgekommen ist“, als sie die Kartons mit ihrem Saft in Empfang nimmt.

Als Konschack den Betrieb seiner mobilen Mosterei begann, dachte er zunächst nur an eine Nebentätigkeit. „Zwei Monate im Jahr und dann ist gut“, so hatte er sich überlegt. Doch nun ist er praktisch das ganze Jahr über unterwegs.

Im Sommer verarbeitet er für große Obsthöfe deren Sauer kirschernte, den ganzen Winter über tingelt er zu den Betrieben, die Früchte in großen Mengen eingelagert haben.

Doch am liebsten ist er unterwegs zu den Menschen. „Die Atmosphäre ist schon fast familiär“, sagt er - dreht sich um und begrüßt seinen nächsten Kunden.