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| 18:35 Uhr

Zukunftspreis-Träger 2018 Karin Genrich aus Potsdam
Engagiert für ihre Branche und ihre Stadt

Logoleiste Zukunftspreis ET 29082018
Logoleiste Zukunftspreis ET 29082018 FOTO: MOZ
Potsdam. Sie leisten Besonderes in ihrer Branche. Jedes Jahr wird an herausragende Unternehmen ein Wirtschaftspreis verliehen: der Zukunftspreis. Mit dem Sonderpreis 2018 wird Karin Genrich aus Potsdam geehrt. Von Brigitta Sonntag

Wie beschreibt man das Lebenswerk einer Frau, die lachend, in Jeans und Ringelpullover gekleidet, die Tür öffnet und fragt, ob wir bei diesen milden Temperaturen nicht im Garten sitzen wollen? Die herbstliche Sonne taucht Beete, Bäume und Sträucher in ein  goldenes Licht. Wo beginnen? Bei der Eröffnung der ersten privaten Boutique am 27. Juli 1987 in der damaligen Bezirksstadt Potsdam? „Das sind doch die ganz alten Geschichten“, wehrt Karin Genrich ab. „Wer will denn heute noch wissen, wie es damals in der Gutenbergstraße aussah?“ Wir.

Und schon sind wir mitten im Gespräch über die abenteuerlichen Fahrten quer durch das kleine Land um – dank Spargelkonserven im Kofferraum – Raritäten wie ausgefallene Stoffe, Restposten aus den Exporten gen Westen, bunte Reißverschlüsse oder außergewöhnliche Knöpfe zu ergattern. Da hatte Karin Genrich schon vier Ausbildungen absolviert, ein Diplom der Humboldt-Universität in der Tasche, einen harten Kampf mit den DDR-Behörden hinter sich und das ehrgeizige Vorhaben, Frauen eine individuelle Mode zu bieten, die stark macht und Persönlichkeit betont. 31 Jahre ist sie diesem Credo treu geblieben. „Kleidung vermittelt ein Lebensgefühl. Sie schützt, unterstreicht, betont, kaschiert und sollte immer einem zweiten Blick standhalten“, so die erfahrene Fachfrau, für die Mode nie die Jagd von Trend zu Trend war. „Gegen Fast-Food-Mode habe ich mich immer gewehrt, schließlich sind die Ressourcen auf der Erde begrenzt“, so Karin Genrich, die am 6. August 2017 ihr Fachgeschäft in der Potsdamer Jägerstraße schloss.

Karin Genrich ist in all den Jahren eine Unternehmerin gewesen, die sich für Menschen, die Stadt und ihre Branche engagiert. „Jeder hat nicht nur die Chance, sondern auch die Pflicht, etwas zu leisten.“ So unterstützte sie Betroffene von Mukoviszidose, die Krebshilfe oder die Hospizarbeit. Potsdams autonomes Frauenzentrum erhielt jährlich neue, hochwertige Kleidungsstücke. „Einmal stand eine junge Frau im Geschäft und bedankte sich. Ihr Satz: ‚Ich fühle mich in Ihren Sachen wie eine Prinzessin‘ hat mich stark berührt, auch weil ich im Gespräch schnell merkte, dass ihr Leben bisher kaum Prinzessinnen-Erlebnisse geboten hatte“, erinnert sich Karin Genrich, und berichtet, dass sie gerade solche Begegnungen „immer wieder geerdet“ haben und stärkten, noch mehr zu tun. „Ich bin ein Menschenfreund. Das tut in jeder Zeit gut.“

In all den Jahren lagen ihr zwei Missionen besonders am Herzen: die Potsdamer Innenstadt zu einer lebendigen, sauberen und liebenswerten City zu entwickeln sowie Frauen stark für Führungspositionen zu machen. Dabei ging sie selbst mit gutem Beispiel voran. Sie war die erste und bisher einzige Frau im Vorstand des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Von 2005 bis 2016 engagierte sie sich ehrenamtlich als Präsidentin des gemeinsamen Handelsverbandes Berlin-Brandenburg und setzte starke Akzente, den Einzelhandel in schwierigen Umbruchzeiten zu stärken. Heute ist sie Ehrenpräsidentin des Verbandes, wo ihr fachlicher Rat und analytischer Fachverstand noch immer gefragt sind.

Viel Platz wäre nötig, alle Ehrenämter und die von ihr initiierten Netzwerke aufzuzählen. Für so viel bürgerschaftliches Engagement gab es Ehrungen, so das Bundesverdienstkreuz am Bande im Jahr 2005 und die Goldene Ehrennadel des Deutschen Einzelhandels. Unvergessen ist die Begegnung mit Bernadette und Jacques Chirac im Élysée-Palast nach der Auszeichnung mit dem „Prix Europe“ vom Conseil Européen Femmes Entreprises et Commerce. Vor gut einem Jahr erhielt sie den Verdienstorden des Landes aus den Händen von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und schrieb sich ins Goldene Buch der Stadt Potsdam ein. „Da dachte ich voller Dankbarkeit: Welch würdiger Abschluss.“ Als sie die Nachricht erreichte, dass sich die Jury des Zukunftspreises Brandenburg einstimmig für sie entschieden habe, „durchströmte mich ein tiefes Glücksgefühl“, bekennt sie, „denn ich weiß, dass jeder Auszeichnung eine Leistung vorausgeht“.

Ausruhen? „Ja natürlich. Auch. Ich freue mich, jetzt mehr Zeit mit meinem Mann verbringen zu können, der mich immer getragen hat und der mich nun täglich ertragen muss“, meint sie lachend. „Endlich kann ich unseren Garten genießen. Wir unternehmen mit viel Entdeckerlust lange Touren durchs Land und es ist für mich eine gute, neue Erfahrung, keinen Leistungsdruck zu spüren.“ Und natürlich hat sie Pläne: „Es gibt ein großartiges Projekt in Potsdam, das aber noch nicht spruchreif ist.“

Endlich mehr Zeit für den Garten – und neue Pläne im Kopf ..© Brigitta Sonntag......BT: Liebt ihren Garten:  Karin Genrich will sich auch in der Stadt engagieren. Foto: Brigitta Sonntag
Endlich mehr Zeit für den Garten – und neue Pläne im Kopf ..© Brigitta Sonntag......BT: Liebt ihren Garten: Karin Genrich will sich auch in der Stadt engagieren. Foto: Brigitta Sonntag FOTO: Brigitta Sonntag
Logo Zukunftspreis 2018
Logo Zukunftspreis 2018 FOTO: LR / MOZ