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Mit alten Kunden fit für die Zukunft

Richard Roge (l.), seine Frau Katrin Roge und Wolfgang Dubrau wollen mit der Zeit gehen, bieten modernste Technik an.
Richard Roge (l.), seine Frau Katrin Roge und Wolfgang Dubrau wollen mit der Zeit gehen, bieten modernste Technik an. FOTO: Gerd Winter
Cottbus. Der Umzug an einen neuen Standort, geschicktes Kooperieren mit einem erfolgreichen Partner und das Entwickeln neuer Arbeitsfelder in der Telemedizin – Richard Roge will seine Medizintechnik-Firma fit für die nächsten 25 Jahre machen. Andrea Hilscher

Der Medizintechniker Richard Roge leitet, gemeinsam mit seinem Seniorpartner Wolfgang Dubrau, die gleichnamige Medizintechnik-Firma am Fuße des Bahnhofsbergs. 25 Jahre besteht das Unternehmen, versorgt Arztpraxen, Physiotherapien und zunehmend auch Privatpersonen mit allem, was bei der Betreuung von alten und kranken Menschen nützlich und hilfreich ist.

Eine Million Euro Umsatz, acht festangestellte Mitarbeiter, ein Stamm von rund 500 Kunden im Umkreis von rund 50 Kilometern - das Geburtstagskind kann mit seinen 25 Jahren durchaus als erwachsen gelten. Richard Roge, seit einigen Jahren Mitgeschäftsführer der Firma, blickt zufrieden auf die Entwicklung. In einem Jahr wird sich sein Seniorpartner aus der Geschäftsführung zurückziehen, Ehefrau Katrin Roge wird dann mit ihm gemeinsam an der Spitze des kleinen Unternehmens stehen und Verantwortung für die Zukunft der Firma tragen.

"Wir müssen dabei sehr genau überlegen, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln, welche Felder wir ausbauen und welche traditionellen Elemente unseres Geschäftes wir unbedingt erhalten müssen", so der Medizintechniker. Ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft ist bereits getan: Der Umzug von der Bautzener Straße in die Räume des früheren "Storchennestes" am Fuße des Bahnhofsbergs war ein kluger Schachzug. "Wir sind präsenter im Bewusstsein der Kunden, haben deutlich mehr Laufkundschaft als früher", sagt Roge. Davon profitiert vor allem der Bereich des Sanitätsfachhandels. Das Sortiment ist groß: Pflegebetten, Alltagshilfen, Inkontinenzeinlagen, Wärmekissen werden immer häufiger nachgefragt. 70 Prozent seines Umsatzes macht Roge allerdings mit der klassischen Medizintechnik. "Wir richten alles ein, vom Wartezimmer bis zum Operationssaal", sagt Roge stolz. Er ist Medizintechniker aus Leidenschaft, setzt auf langlebige Qualitätsprodukte. "Wenn Ärzte sich preiswerte Geräte aus Asien in die Praxis stellen, machen sie auf lange Sicht damit kein gutes Geschäft", sagt er. "Geht ein Gerät kaputt, muss man oft Monate auf Ersatzteile warten." Zeit, in der der Arzt kein Geld mit dem Gerät verdient. Richard Roge selbst wirbt mit schnellen Dienstleistungen und perfektem Service. "Ich hatte schon Fälle, da ist morgens ein Gerät im OP ausgefallen, ich habe schnell ein Ersatzteil aus Berlin beschafft und nachmittags konnte der Arzt schon wieder operieren." Um diesen Service garantieren zu können, beschränkt sich Roge auf Kundschaft in einem Umkreis von 50 Kilometern. Größere Fahrtstrecken will er weder Kunden noch sich selbst zumuten.

Doch gerade diese großen Fahrstrecken - oder vielmehr Wege ihrer Vermeidung - werden seine Firma künftig immer stärker beschäftigen. Richard Roge: "Telemedizin und das Projekt ,Schwester Agnes' sind große Herausforderungen für uns." Wenn die Schwester bei einem Hausbesuch ein EKG schreibt, kann sie es dem Arzt sofort via Telefon auf seinen Praxiscomputer schicken. Der Arzt kann dann ohne Zeitverzögerung entscheiden, ob alles okay ist oder der Patient eventuell sogar schnell ins Krankenhaus muss. "Technisch ist das heute alles machbar", so Roge. "Aber die Funklöcher rund um Cottbus sind noch eine Herausforderung."

Sein Mitgeschäftsführer Wolfgang Dubrau unterstützt den Juniorpartner in seinen Plänen. "Aber es ist schon verrückt. Früher haben wir noch Geld an dem Papier verdient, auf dem die EKGs geschrieben wurden", sagt Dubrau. "Heute kauft sich der Arzt eine Software und das war's."

Zum Glück für das Unternehmen war es das nicht ganz: Medizintechnik muss regelmäßig sicherheits- und messtechnisch kontrolliert werden. Die Cottbuser Firma hat die dafür notwendige Zertifizierung, kümmert sich unter anderem auch um Ausstattung und Wartung der betriebsärztlichen Einheiten in der Cottbuser Stadtverwaltung, bei der Leag oder verschiedenen Werksfeuerwehren.