Der Betriebsrat will sich an die US-amerikanischen Mibrag-Gesellschafter URS und NRG Energy wenden, die jeweils 50 Prozent der Anteile halten. "Die sollen endlich eine klare Ansage machen", forderte Betriebsratschefin Roswitha Uhlemann gestern. Am Montag war bekannt geworden, dass sich die Gesellschafter von der Mibrag trennen wollen.

Öffentlich haben sich URS und NRG Energy bisher allerdings nicht geäußert. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen beschäftigt die Mibrag 2150 Mitarbeiter. Das Unternehmen lehnte auch gestern eine Stellungnahme ab. Die Mibrag habe sich zu einem gesunden Unternehmen entwickelt, das mit sämtlichen Zukunftsprojekten erhalten werden müsse, erklärte Uhlemann. Dazu gehöre auch der Bau eines neuen Kohlekraftwerkes.

Als Grund für die Verkaufspläne werden finanzielle Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe wegen des Erwerbs von Umweltzertifikaten vermutet. Das wäre ein Großteil des Gewinns, der im Jahr 2007 bei 39,8 Millionen Euro lag. Die Zertifikate berechtigen zum Ausstoß bestimmter Mengen Kohlendioxid. Wegen veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen rechnet die Mibrag mit starken finanziellen Belastungen.

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) kritisierte die deutsche und europäische Umweltpolitik als verfehlt. "Es ist für den Standort Deutschland ein großes Problem, wenn internationale Konzerne kein Vertrauen mehr in den Energiestandort Deutschland haben", sagte er gestern in Dresden. Mit der Versteigerung der CO2-Zertifikate beginne die Investitionsgrundlage für große Teile der Energiewirtschaft wegzubrechen. Harsche Kritik kam auch vom Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum. "Eine Umweltpolitik, mit der so viele Unwägbarkeiten verbunden sind, dass Investoren keine Sicherheit mehr haben, verdient den Namen nicht", sagte Blum.dpa/rb