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| 09:35 Uhr

Metallbranche vor Tarifpoker

Für die bevorstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie beginnen beide Verhandlungspartner mit der Festlegung ihrer Marschroute. Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser warnte die IG Metall gestern vor zu hohen Lohnforderungen. Der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber versicherte, die Gewerkschaft werde die Forderungen aus den Belegschaften ertragsstarker Betriebe nicht für die gesamte Branche erheben. Von Martin Roy und Ralf Beunink

Die Große Tarifkommission der IG Metall in Baden-Württemberg legt in dieser Woche Details für die bevorstehende Tarifrunde fest. Erwartet wird eine Lohnforderung von vier bis fünf Prozent. Baden-Württemberg gilt traditionell als Pilotbezirk bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Kannegiesser forderte die Gewerkschaftsvertreter auf, bei ihren Einkommensvorstellungen „die Kirche im Dorf“ zu lassen. „Sonst finden die Messen künftig woanders statt“, warnte er. Der heimische Anteil der Wertschöpfung nehme von Jahr zu Jahr mehr ab. Den Unternehmen bleibe keine andere Wahl, als Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. Deutschland müsse sich immer mehr als Teil eines Weltarbeitsmarktes begreifen. Vergleich der Arbeitskosten Zahlen zu etwaigen Lohnanhebungen lehnte Kannegiesser ab. „Wir sagen weder null noch ein Prozent“, betonte der Arbeitgeberchef. Orientierung seien die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der internationale Vergleich der Arbeitskosten, die in Deutschland nach wie vor die höchsten der Welt seien. Nachdrücklich sprach sich Kannegiesser gegen einen Lohnausgleich für die geplante Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007 aus. Es sei von jeher Konsens der Arbeitgeber und Gewerkschaften gewesen, politisch bedingte Senkungen und Erhöhungen von Steuern und Abgaben nicht durch Tarifpolitik auszugleichen. IG-Metall-Vize Huber sagte, die Gewerkschaft werde in ihrer Lohnforderung für die Tarifrunde 2006 keinen Aufschlag für die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer geltend machen. „Die Steuererhöhung kommt erst 2007, unsere Forderungen beziehen sich aber auf die nächsten zwölf Monate“, sagte er. Eine Mehrwertsteuererhöhung werde Lohnforderungen erst dann beeinflussen, wenn die Inflationsrate steige – „aber nicht vorauseilend, sondern nur ,wenn sich die Daten tatsächlich verändern“. Huber trat damit Befürchtungen entgegen, die IG Metall werde den Start der neuen Bundesregierung durch einen lohnpolitischen Kurswechsel in der Metall- und Elektroindustrie belasten. Belegschaften sehr ertragsstarker Unternehmen wie Porsche hatten in den vergangenen Tagen Lohnforderungen von sieben Prozent und mehr gestellt. Diese sollen laut Huber jedoch nicht zur Leitlinie der Lohnpolitik in der Fläche werden.