Die IG Metall geht mit der höchsten Forderung seit 16 Jahren in die Verhandlungen. Sie fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche acht Prozent mehr Lohn. Der Vorstand habe beschlossen, sich den Anträgen der regionalen Tarifkommissionen anzuschließen, teilte die Gewerkschaft gestern in Frankfurt am Main mit. IG-Metall-Chef Berthold Huber begründete die Forderung mit den stark gestiegenen Gewinnen der Unternehmen. Die Gewerkschaft sei sich bewusst, dass die Lohnforderung die Gewinne der Unternehmen schmälern werde, erklärte Huber. "Daraus machen wir keinen Hehl." Jedoch müsse den Metall-Beschäftigten ein Inflationsausgleich zugestanden werden. Auch gehe es darum, die Kaufkraft der Menschen zu stärken, erklärte der Gewerkschaftschef.

IG-Metall-Tarifexperten forderten von der Arbeitgeberseite "schnell Klarheit" darüber, ob eine Lösung auf dem Verhandlungsweg erzielt werden könne, oder ob "die Arbeitgeber Druck aus den Betrieben" bräuchten. "Es gibt kein Szenario, auf das die IG Metall und ihre Mitglieder in den Betrieben nicht vorbereitet sind." Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern beginnen für die Mittelgruppe (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) am 2. Oktober 2008, die übrigen Bezirke folgen in schneller Reihenfolge. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober mit dem Auslaufen der Tarifverträge. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegießer, hatte der IG Metall bereits vor Bekanntwerden des Vorstandsbeschlusses vorgeworfen, unrealistische Lohnforderungen zu stellen. "Die IG Metall hat nicht mehr alle Tassen im Schrank", sagte er der "Stuttgarter Zeitung".

Kannegießer warf der IG Metall vor, die wirtschaftliche Entwicklung zu ignorieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche aufs Spiel zu setzen. Wie Unternehmen müssten sich moderne Gewerkschaften an ein verändertes Umfeld anpassen und mit Lohnforderungen flexibler sein. AFP/sha