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Metallindustrie
Metall-Arbeitgeber stellen sich auf Streik ein

Teilnehmer eines Warnstreiks der IG Metall im Frühjahr 2016. Foto: Hendrik Schmidt
Teilnehmer eines Warnstreiks der IG Metall im Frühjahr 2016. Foto: Hendrik Schmidt FOTO: Hendrik Schmidt
Berlin. Die Metall-Arbeitgeber stellen sich in der laufenden Tarifrunde auf Streiks ein: „Ein Arbeitskampf ist das letzte, was wir uns wünschen. Streiks sind immer ein volkswirtschaftlicher Schaden.“ Von Bernd Röder, dpa

„Es ist vor allem unnötig, wenn noch gar nicht richtig verhandelt wurde“, sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Aber ich befürchte, dass die IG Metall ihre Streiks jetzt schon organisiert hat, völlig losgelöst von unserem Angebot.“ Die IG Metall hat bislang Warnstreiks angekündigt, die am 8. Januar beginnen sollen.

In der zweiten Runde der regional geführten Tarifverhandlungen hatten die Arbeitgeber ein Lohnplus von zwei Prozent im April angeboten, außerdem eine Einmalzahlung von 200 Euro für die Monate Januar bis März. Die IG Metall fordert bundesweit sechs Prozent mehr Geld und das Recht auf eine vorübergehende Senkung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden. Dabei sollen bestimmte Gruppen - etwa Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder und Angehörige von Pflegebedürftigen - einen Teillohnausgleich erhalten.

Dulger sagte, eine Arbeitszeitverkürzung aufgrund besonderer Lebensumstände sei „in der betrieblichen Praxis schon heute gang und gäbe“. Klar sei aber auch: „Wenn einer nur vier Tage arbeitet, dann kriegt er auch nur vier Tage bezahlt.“ In der Metall- und Elektroindustrie liege das jährliche Durchschnittseinkommen bei 56 000 Euro. „Wenn ein durchschnittlicher Metallfacharbeiter auf 28 Stunden geht, dann verdient er immer noch rund das Doppelte einer Metzgereifachverkäuferin, die 38 Stunden arbeitet.“

Dulger erläuterte, derzeit dürften je nach Tarifgebiet 13 oder 18 Prozent der Belegschaft bis zu 40 Stunden arbeiten. Der Arbeitgeber-Vorschlag laute nun: „Diese Begrenzung kommt weg, und wir können mit den Mitarbeitern frei vereinbaren, dass sie länger arbeiten dürfen, wenn es im Betrieb Bedarf gibt und die Beschäftigten länger arbeiten wollen. Dafür soll es natürlich auch entsprechend mehr Geld geben. Wir wollen flexible Arbeitszeitmodelle vereinbaren dürfen, wenn nach oben, dann geht auch nach unten.“

Die Metall- und Elektroindustrie macht einen Jahresumsatz von rund 1,1 Billionen Euro. „Wir rechnen für 2017 mit einem soliden Wachstum von gut 3 Prozent“, sagte Dulger. Trotz zuletzt leicht gesunkener Produktion erwarte die Branche auch 2018 „weiteres Wachstum“.

Angesichts des Fachkräftemangels geht Dulger davon aus, „dass der Beschäftigungsboom zumindest in der Metall- und Elektroindustrie für Fachkräfte weitergehen wird - vorausgesetzt, wir finden die Fachleute. Zum ersten Mal haben wir mehr offen gemeldete Stellen in der M+E-Industrie, als die Bundesagentur Arbeitslose zählt.“

Die Zahl der Stammbeschäftigten sei weiter gewachsen, „allein in diesem Jahr bis Oktober um 70.000“, berichtete Dulger. „Wir haben seit der Lehman-Krise im Frühjahr 2010 fast 470.000 neue Stellen geschaffen. Die Zahl der Stammbeschäftigten liegt aktuell bei 3.915.200.“

Der Gesamtmetall-Chef sieht Deutschland auch gerüstet für den Wandel der Industrie: „Wenn jemand diese Situation überhaupt bewältigen kann, dann ist es unsere Industrie, denn winr sind führend in den meisten Technologien.“ Wenn etwa China die Nutzung von batteriebetriebenen Elektroautos anordne, dann heiße das nicht, dass „das alles besser ist“. Die dort verwendeten Blei- und Lithium-Ionen-Akkus seien „nicht die Zukunft, alleine wegen der Ökobilanz“.

„Ich bin nicht der Meinung, dass uns da andere Länder voraus sind“, fügte Dulger hinzu. Der Technologiewandel bedeute auch nicht, „dass die Arbeitsplätze weg sind, dass die Unternehmen verschwinden, es heißt nur, dass man beizeiten erkennen muss, welche Technologie keine Zukunft mehr hat.“