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| 17:42 Uhr

Sanktionen bremsen Firmen
Das schwierige Russland-Geschäft

Roland Riegger: „Wir haben den Spirit, die Probleme zu bewältigen.“
Roland Riegger: „Wir haben den Spirit, die Probleme zu bewältigen.“ FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Elsterwerda. Die Konjunktur in Brandenburg brummt, doch das Geschäft mit Russland liegt seit der Krim-Annexion auf Eis. Dabei ist das Verhältnis ostdeutscher Unternehmer seit DDR-Zeiten eng. Die Hoffnung auf bessere Zeiten bleibt. Von Christopher Braemer

Russische Rubel für Brandenburger Melkanlagen – das war jahrelang ein florierendes Geschäft für Roland Riegger. „Es wurde pünktlich gezahlt, das Verständnis war gut, es gab sogar Sympathie von beiden Seiten“, erzählt der 61-jährige Geschäftsführer der Impulsa AG aus Elsterwerda (Elbe-Elster). Business mit Russland hat Tradition, schon zu DDR-Zeiten pflegte das mittelständische Unternehmen mit 50 Mitarbeitern wie viele im Osten gute Kontakte.

Die Brandenburger Konjunktur brummt, doch das Geschäft mit Russland liegt auf Eis. Politische Maßnahmen nach der Krim-Annexion, Ölpreis, Rubelverfall und schleppende Modernisierung haben den Markt mit Russland zerstört. Gut vier Jahre ist es her, dass die EU die Ausfuhr von Dual-Use-Gütern nach Russland untersagt hat. Das sind Güter, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind. Betroffen waren und sind auch brandenburgische Unternehmen wie die Impulsa AG.

Russlands Antwort: Ein Import­stopp von Agrargütern aus der EU, den USA, Kanada, Australien und Norwegen. Illegal importierte Lebensmittel, die Zöllner entdecken, werden seit Beginn des Handelsembargos vernichtet. „Importsubstitution“ heißt seitdem die Losung, die Leute sollen russische statt westliche Produkte kaufen.

Die Impulsa AG hat in der Folge nach Aussage ihres Geschäftsführers fast 40 Prozent Umsatz eingebüßt. Ähnlich erging es zahlreichen Unternehmen in Brandenburg, einige von ihnen gingen sogar pleite. Vor der Ukraine-Krise, im Jahr 2013, wurden landesweit noch rund 306 Millionen Euro erlöst, drei Jahre danach nur noch 187 Millionen, im Jahr 2017 dann immerhin wieder 217 Millionen Euro. Rund 450 Firmen haben nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Potsdam russische Handelspartner.

„Die betroffenen Unternehmen fallen zum Teil in den Dual-Use-Bereich, aber auch in den durch Russland sanktionierten Lebensmittelbereich“, bestätigt Sprecher Robert Kaltschmidt von der IHK Cottbus. Zu den EU- und Russland-Sanktionen kommt seit August 2017 eine neue Barriere: der amerikanische „Countering America‘s Adversaries Through Sanctions Act“ (Caatsa). Nun besteht die Gefahr, dass auch deutsche Unternehmen unter US-Strafmaßnahmen fallen, wenn sie mit russischen Unternehmen in Branchen wie Energie, Rüstung, Eisenbahn und Bergbau kooperieren.

Die US-Regierung begründet die Sanktion mit der Einmischung Russlands in den Wahlkampf und die militärische Intervention in Syrien. „Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es angesichts der dynamischen Rechtslage eine starke Unsicherheit, viele zögern zu investieren“, sagt IHK-Sprecher Kaltschmidt. Es ist ein Minusgeschäft für beide Seiten: Russischen Unternehmen mangelt es an Technologie, den Brandenburgern fehlt der Markt. Doch die Firmen geben die Hoffnung nicht auf. „Das Interesse an Russland ist unverändert hoch, und die meisten Unternehmer wollen die Sanktionen abgebaut wissen“, sagt ein Sprecher der IHK Frankfurt (Oder).

Die Anlagen, die zu Beginn des Embargos aus Elsterwerda kamen, werden immer noch benutzt – und zwar länger als sie eigentlich sollten. „Wir versuchen, sie so gut wie möglich aus der Distanz zu pflegen“, erzählt Riegger. Brandenburger und ostdeutsche Unternehmer wie er brauchen ein langes Durchhaltevermögen. „Viele im Osten legen einen langen Atem an den Tag“, weiß Dieter Müller, Ost-Manager der Spedition Emons mit Standorten in Berlin und Großbeeren (Teltow-Fläming). Auch sein Unternehmen hat die Entwicklung viel Umsatz gekostet, er spricht von 40 Prozent Verlusten. „Auch wenn sich die Lage seit vergangenem Jahr beruhigte, ist die Unsicherheit groß“, sagt Müller. Die Rechtslage ändere sich ständig.

In Russland ist der Bedarf an Technologie nach wie vor hoch – doch für Brandenburger ist es schwer, daraus Kapital zu schlagen. Zu ihrem Leid kaufen russische Unternehmen mittlerweile aus Asien und anderen Teilen der Welt. Für Brandenburgs Wirtschaft wiederum ist es schwerer, auf einen anderen Markt auszuweichen. „Die Geld- und Geschäftsmöglichkeiten in Belarus sind knapp – in der Ukraine gibt es ein staatliches Chaos“, weiß Impulsa-Chef Riegger.

Um die fehlenden Umsätze auszugleichen, musste er umdenken. Die Seele des Unternehmens sind Melkanlagen, doch inzwischen helfen seine Ingenieure, Konstrukteure und Facharbeiter in der Metallverarbeitung aus. „Wir sind Problemlöser für Firmen, die es nicht schaffen, ihre Lieferzeiten einzuhalten“, sagt Riegger. „Wir sind zwar ein kleiner Laden, aber haben den Spirit, die Probleme zu bewältigen“, sagt der Chef. Und falls der russische Markt wieder geöffnet wird, dann könnten die alten Kontakte wieder neu aufleben.