Aktuell sieht es so aus: Um sich als Jalousienbauer, Fliesenleger oder Raumausstatter selbstständig zu machen, ist weder Meisterbrief noch Qualifikationsnachweis notwendig. Das ist seit 2004 in mehr als 50 Berufen so. Die Politik habe damit auf die hohe Arbeitslosigkeit reagieren wollen. Man habe dem Handwerk damals vorgehalten, durch die Meisterpflicht den Zugang zu Existenzgründungen zu verwehren, blickt Knut Deutscher, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, zurück.

15 Jahre später stellt er ein ernüchterndes Fazit: Im Prinzip hat die Ausnahme von der Meisterpflicht in keinem Bereich positive Effekte gebracht. Deutschers Kollegen in Potsdam und Dresden sehen es ebenso. Man wolle keine Ausnahmen mehr von der Meisterpflicht. Dafür würden nicht nur fachliche Gründe sprechen, so Ralph Bühring. Und Andreas Brzezinski aus Dresden sagt: Das sei 2004 „willkürlich“ entschieden worden und war „falsch“. „Es hat zu massiven Ausbildungs- und Qualitätsverlusten in diesen 53 Gewerken geführt.“ Er freue sich, dass inzwischen in der sächsischen Regierungskoalition, aber auch in weiten Teilen der Bundesrepublik die Rückkehr zur Meisterpflicht einhellige Meinung ist.

Was die Ausnahme in der Realität gebracht hat, fasst Knut Deutscher zusammen, fürs Fliesenlegergewerk: Die Anzahl der Betriebe habe sich im Cottbuser Kammerbezirk zwar etwa verdreifacht auf 700. Im Gegenzug habe sich aber die Anzahl der Mitarbeiter drastisch reduziert, weil die meisten als Solo-Selbstständige arbeiten. Ausbildung spiele in den Ein-Mann-Unternehmen kaum eine Rolle. Zum einen wolle sich niemand Konkurrenz heranziehen, zum andern könne in Betrieben ohne Meister niemand ausbilden. Aktuell lernen zehn Lehrlinge im Kammerbezirk im ersten Lehrjahr das Fliesenlegen. Viel zu wenig, weiß der Hauptgeschäftsführer, wenn er daran denke, wie viele Fliesenleger in den nächsten Jahren in Rente gehen.

Und da spreche er noch gar nicht von Qualität, so Knut Deutscher weiter. Denn was die meisten Verbraucher nicht wissen – mit der Meister- ist 2004 auch die Qualifikationspflicht weggefallen. Was das heißt, macht Knut Deutscher am fiktiven Beispiel deutlich: Er, als studierter Ökonom, könne mit der aktuellen Ausnahmeregelung eine Goldschmiederei oder einen Fliesenlegerbetrieb anmelden. Das könne aber ernsthaft keiner wollen. Denn angesichts mehr werdender Klagen über Qualität von Handwerksleistungen bleibt es dabei: „Es ist immer gut, man hat es ordentlich gelernt“, sagt Knut Deutscher.