Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht große Möglichkeiten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. "Das technologische Innovationspotenzial in unserer Branche ist noch lange nicht ausgeschöpft", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann zur Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge am Donnerstag in dieser Woche. Das Zauberwort lautet "aktive Sicherheit". Assistenzsysteme sollen die Brummi-Fahrer unterstützen und Unfälle verhindern. Die "passive Sicherheit" - also eine verbesserte Bauweise, die die Unfallfolgen mindern soll - ist nach Branchenangaben weitgehend ausgereizt. Studien hätten bestätigt, dass Fahrerassistenzsysteme ein "enormes Wirkungspotenzial" hätten, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson vor Beginn der IAA. Hätten alle deutschen Lastwagen beispielsweise einen Abstandsregler eingebaut, würden schwere Auffahrunfälle auf den Straßen um fast 30 Prozent sinken.

Einige Unternehmen bieten bereits seit mehreren Jahren eine ganze Reihe dieser Fahrhilfen an. Ein System des Autozulieferers Continental hilft zum Beispiel, Unfälle wegen des "Toten Winkels" zu vermeiden. Es überwacht die Beifahrerseite und warnt den Fahrer beim Rechtsabbiegen vor Kollisionen.

Ein Notbremsassistent des weltgrößten Lastwagenbauers Daimler unterstützt Fahrer, wenn es brenzlig wird. Er löst automatisch eine Notbremsung aus, wenn der Fahrer einen Auffahrunfall möglicherweise nicht mehr verhindern kann. Ein Spurassistent soll das Fahrzeug innerhalb der Markierungen der Fahrbahn halten, und der Abstandsregler das Fahrzeug auf sicherem Abstand zum Vordermann. "Viele Unfälle können durch einfache Sicherheitstechniken vermieden werden", sagte Daimler-Sprecher Claws Tohsche.

In vielen Lastwagen zählen Abstandssensoren, Bremskontrollsysteme und Stabilitätsprogramme bereits zum Standard. Aus Sicht des ADAC waren die vergangenen Jahre so innovativ wie nie. "Viele Hersteller haben eingesehen, dass die Sicherheit der Fahrzeuge und der Fahrer ein neues Verkaufsinstrument ist", sagte ADAC-Sprecher Roman Mölling. Zufriedenheit ist dennoch nicht angebracht, denn die Zahl der Unfälle sei noch immer erschreckend hoch.